5 Dinge, die du über Schweinefleisch wissen musst

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Schweinefleisch ist das meist gegessene Fleisch in Österreich. Oft kommt es in einer Form auf den Tisch, die nur noch wenig an den Ursprung erinnert: als Würstel, Speckwürfel im Salat oder Schinken in der Eierspeise. Dementsprechend gering ist das Wissen über die Art und Weise, wie Schweinefleisch produziert wird und unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden, es wird wenig hinterfragt. Wir haben einige wissenswerte Fakten für euch. Wusstet ihr schon…?

1. In österreichischem Schweinefleisch kann Gentechnik stecken

Der Begriff „regional“ sagt leider gar nichts über Qualität oder Tierwohl aus und garantiert auch nicht Gentechnikfreiheit. Der Anbau von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ist in Österreich zwar verboten, nicht aber der Import von Futtermitteln für die Schweinemast. Österreich importiert immer noch rund 350.000 Tonnen Gentech-Soja für Futtermittel. Auch das AMA Gütesiegel erlaubt importierte Futtermittel, der Großteil davon ist gentechnisch verändert. Um möglichst billiges Fleisch anbieten zu können, landet also auch in Österreich Gentechnik auf dem Teller, denn importierte Futtermittel, vor allem Soja, sind deutlich günstiger als heimisches, gentechnikfreies Futter. In der Bio-Landwirtschaft ist Gentechnik auch im Tierfutter per Gesetz verboten, bei Ja! Natürlich muss das gesamte Futter zudem zu 100% biozertifiziert, gentechnikfrei und aus Österreich sein. Hier sind unsere Standards strenger als das Gesetz. Selbstverständlich ist auch vorbeugender Medikamenteneinsatz (z.B. Antibiotika) verboten, die Krankheitsgefahr ist in Bio-Betrieben auch viel geringer, da die Tiere ausreichend Platz haben. (Ergänzung November 2018: Hier findet ihr eine Untersuchung von Greenpeace zum Thema Gentechnik in der Schweinemast.)

2. Österreich ist Schweinefleisch-Europameister

In keinem anderen EU-Land wird mehr Schweinefleisch gegessen als in Österreich. Fast 40 kg Schweinefleisch ist der/die ÖsterreicherIn durchschnittlich pro Jahr*. Das kommt dir viel vor? Unterschätzt wird oft, wie viel Schweinefleisch in verarbeiteten Produkten steckt: das Würstel am Würstelstand, die Extrawurstsemmel zwischendurch oder auch der Schinken in der Frühstücks-Eierspeise – wir konsumieren mehr Schweinefleisch als wir denken. Nicht immer macht man sich dabei Gedanken, wie das Tier gelebt hat, von dem das Produkt kommt, wie es gehalten, gefüttert und geschlachtet wurde. Nur 2,2% der in Österreich gehaltenen Schweine genießen ein Leben in Bio-Landwirtschaft. Dazu zählen die Ja! Natürlich Strohschweine und Freilandschweine.

3. Freilandhaltung ist die Ausnahme

Die Freilandhaltung von Schweinen ist in anderen Ländern, z.B. in England üblich, in Österreich ist sie die Ausnahme und auch für Bio-Schweine nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ein befestigter Auslauf muss jedenfalls zur Verfügung stehen. Ja! Natürlich hat das Pionierprojekt vor über 15 Jahren gemeinsam mit engagierten Bauern und der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN gestartet.  Wie es den Tieren dort geht und mehr zur Freilandschweinehaltung findet ihr hier.

 

4. Schweine stehen nicht gern im eigenen Dreck

Schweine sind reinlicher als ihr Ruf. Gemäß ihrem natürlichen Verhalten trennen sie genau nach Fress- Aktivitäts-, Ruhe- und Ausscheidungsbereichen. Das ist allerdings in den meisten konventionellen Betrieben nicht möglich, da sie auf engem Raum auf Vollspaltenböden aus Beton ohne Einstreu und ohne Auslauf gehalten werden. Das Stehen im eigenen Dreck auf betonierten Vollspaltenböden im geschlossenen Stall ist für sie eine Qual. Die Betriebe können sich aber damit sowohl Platz als auch Personal zum täglichen Ausmisten sparen und so billigeres Fleisch anbieten. Typische Verhaltensweisen wie Wühlen können die Schweine meist nicht ausleben. Höheres Platzangebot, Auslauf, ausreichend Stroheinstreu und Beschäftigungsmöglichkeiten ermöglicht den Ja! Natürlich Strohschweinen, ihre Verhaltensbedürfnisse auszuleben.

5. Warum Ferkeln die Schwänze gekürzt werden

In konventionellen Betrieben ist es üblich, Mastferkeln die Schwänze zu kürzen und die Zähne zu schleifen, um Bissverletzungen und daraus resultierenden Infektionen vorzubeugen. Allerdings sind gegenseitige Verletzungen durch Beißen der Artgenossen meist ein Resultat von fehlendem Beschäftigungsmaterial (z.B. Stroh), zu vielen Tieren auf engem Raum und nicht artgemäßer Fütterung. Durch ein entsprechendes Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten und strukturierten Bereichen in Verbindung mit abwechslungsreichem und gehaltvollem Futter lassen sich derartige Verletzungen vermeiden. Dieser Weg ist für Ja! Natürlich Betriebe vorgeschrieben. In der Bio-Landwirtschaft werden die Haltungsbedingungen an die Schweine angepasst und nicht umgekehrt: Schwänze kupieren oder Zähne schleifen sind strikt verboten.

Wo bio aufhört, fangen wir erst an

Die EU schreibt Mindeststandards für „bio“ vor. Ja! Natürlich gehen diese in vielen Bereichen nicht weit genug, gerade was das Tierwohl betrifft. Daher setzen wir für Ja! Natürlich Produkte noch strengere Standards, die über das Gesetz hinausgehen und arbeiten gemeinsam mit ExpertInnen aus Wissenschaft und Tierschutz ständig an weiteren Verbesserungen. Mehr zu unseren Projekten findest du hier.

Quelle: Statistik Austria / AMA-Marketing

 

So sieht es bei den Freilandschweinen aus:

Über Bio-BloggerIn Lisa107 Artikel

Feinspitz mit Experimentierfreude. Aufgewachsen in einer kulinarisch höchst affinen Familie mit eigenem Gemüsegarten, zudem ausgestattet mit einer ordentlichen Portion Neugierde und Furchtlosigkeit, waren Küchenexperimente seit jeher wesentlicher Bestandteil meines kreativen Lebens. Kochen ist für mich Leidenschaft und kreativer Ausgleich, niemals „Haushaltspflicht“. Je mehr man [...]

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