Alle Jahre wieder ohne Glyphosat & Co im Garten und im Einkaufskorb

Weiterlesen

Alle sprechen derzeit von Glyphosat, einem Pestizid, das trotz vehementer Warnungen von WHO und anderen Institutionen von der EU-Kommission neu zugelassen wurde. Selten gab es so viel und so laute Kritik an Pflanzenschutzmitteln wie im Fall von Glyphosat. Es ist aber nur eines von zahlreichen chemisch-synthetischen Spritz- und Düngemitteln, welche in der modernen konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden. Wir haben mehr Gründe, als „nur“ die potentielle gesundheitliche Gefahr für Bauern und KonsumentInnen, warum wir diese Chemikalien strikt ablehnen. Der Konsument hat übrigens ganz unabhängig von der Entscheidung der EU-Kommission die Wahl: In der Bio-Landwirtschaft waren Glyphosat & Co immer schon verboten.  Und auch für den eigenen Garten gibt es Alternativen! 

Wie gefährlich sind Pestizide wirklich?

Grundsätzlich werden Pflanzenschutzmittel streng kontrolliert, bevor sie zugelassen werden. Allerdings gibt es zahlreiche Kritikpunkte und offene Fragen rund um diese Untersuchungen. Unter anderem stehen sie immer wieder in der Kritik, zu stark von Interessen der Hersteller diverser Chemikalien beeinflusst zu sein. Außerdem sind die gesundheitlichen Folgen für Bauern und KonsumentInnen nur eines der Probleme. Mindestens so bedenklich und vergleichsweise wenig thematisiert sind die Auswirkungen auf das Ökosystem als Ganzes, auf Pflanzen und Tiere. Glyphosat beispielsweise ist ein sogenanntes Totalherbizid, es tötet jede nicht gentechnisch veränderte Pflanze auf dem gespritzten Feld ab, ebenso natürliche Bodenbakterien und schädigt wichtige Bodenbewohner wie Regenwürmer. Damit gehen auch wichtige Funktionen eines gesunden Bodens verloren und ein Bauer braucht wiederum mehr künstliche Hilfsmittel, um etwas von diesem Boden zu ernten.

 

Warum wir die biologische Vielfalt erhalten müssen

Die biologische Vielfalt nimmt durch den Einsatz von chemisch-synthetischen Spritz- und Düngemitteln ab. Pflanzenschutzmittel sind mitverantwortlich für das weltweit zu beobachtende Artensterben von Pflanzen, Tieren und Bakterien. Das bleibt nicht ohne Folgen, auch wenn man sie kurzfristig nicht immer gleich erknennt. Im natürlichen Ökosystem hat jedes Lebewesen seine Rolle. Die Bio-Landwirtschaft fördert und nutzt die Vielfalt von Pflanzen und Bodenbewohnern, um ohne chemisch-synthetische Mittel natürliche, hochwertige Lebensmittel zu erzeugen. Das Töten der Pflanzen bedeutet oft auch eine Bedrohung für Tiere, die mit den Pflanzen ihren Lebensraum verlieren: Bienen, Schmetterlinge, Regenwürmer und Co. sind massiv gefährdet.

Sind Spritzmittel im Bio-Landbau erlaubt?

Für Bio-Lebensmittel gelten natürlich strengere Vorschriften als für konventionellen Anbau, welche chemisch-synthetische Spritzmittel wie Glyphosat grundsätzlich ausschließen. Die gesetzlichen Bio-Standards gehen für Ja! Natürlich aber nicht weit genug. So ist beispielsweise der punktuelle Einsatz  vom sogenannten „Spinosad“ lt. EU-Bio-Verordnung erlaubt. Spinosad ist ein Mittel gegen Insekten, das von einem Bodenbakterium produziert wird. Seine Giftigkeit für Bienen ist bestätigt und daher ist der Einsatz für Ja! Natürlich Lieferanten streng verboten. Denn Bienen sind für die Zukunft unseres Ökosystems von essentieller Bedeutung. Sie zu gefährden können und wollen wir nicht verantworten. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Lebensqualität für künftige Generationen nachhaltig abzusichern und sind überzeugt, dass die Bio-Landwirtschaft der richtige Weg ist.

 

Bio-Landwirtschaft_1 Bio-Landwirtschaft_1

Auch im eigenen Garten

Bio-Bauern wissen die biologische Vielfalt nicht nur am Teller zu schätzen, sondern brauchen auch eine Vielfalt an Bodenbewohnern und Nützlingen, die ihnen helfen, Schädlinge und Krankheiten auf natürlichem Weg zu bekämpfen. Und was unsere Bio-Bauern mit biologischen Richtlinien am Acker im Großen schaffen, können alle Bio-Gartler im kleinen Rahmen ebenso leben und umsetzen:

Biologischer Pflanzenschutz im Garten

  • Nützlinge fördern! Im Garten gibt es eine Vielzahl an Helferleins, die Schädlingen den Garaus macht. Florfliegen und Marienkäfer fressen Blattläuse, Raubmilben vertilgen die Spinnmilben und der Igel hat Schnecken auf seinem Speiseplan. Mit Nützlingshäusern, einem Laubhaufen im Herbst für den Igel und einem nicht zu „aufgeräumten“ Garten finden die Nützlinge auch im Winter Unterschlupf und sorgen ganz natürlich dafür, dass kein Schädling Überhand bekommt.
  • Bunte Mischkultur im Gemüsebeet. Viele Pflanzen helfen sich durch Duftstoffe und Wurzelausscheidungen gegenseitig. Was sich gut verträgt und gegenseitig nützt, steht HIER!
  • Knoblauch als Wundermittel. In der Mischkultur vertreibt er durch seinen strengen Geruch Blattläuse. Als Tee wirkt er hervorragend gegen Mehltau. Einfach 50 g Knoblauch (mit Schale) mit einem Liter heißem Wasser aufgießen, 20 min ziehen lassen, abkühlen und dann die Blätter besprühen.

 

  • Brühe aus Ackerschachtelhalm. Wirkt gut gegen Pilzerkrankungen! Die Wirkung des Ackerschachtelhalms ist übrigens mittlerweile auch wissenschaftlich erforscht. Die in der Brühe gelösten Silikate verstärken die Zellwände der Pflanzen, Pilze können damit schlechter in die Zellen eindringen. Ackerschachtelhalm-Brühe sollte vorbeugend 14-tägig gesprüht werden, bei Befall mit Pilzen wöchentlich.
  • Brennesseljauche. Entgegen der allgemeinen Meinung wirkt sie nicht gegen Läuse. Sie stärkt und düngt das Gemüse aber allgemein und erhöht so die Widerstandfähigkeit gegen verschiedene Pflanzenkrankheiten.
  • Leimringe gegen Blattläuse. Läuse auf (Obst)bäumen können relativ einfach beseitigt werden: Ein Leimring um den Stamm gewickelt hält die Ameisen von der Baumkrone fern. Ameisen schützen mit ihrer Ameisensäure nämlich die Läuse, damit erhalten sie den für sie wertvollen Honigtau der Läuse für Ihre Brut. Ohne schützende Ameisen werden die Blattläuse rasch von verschiedenen Nützlingen verspeist.

 

Warum sind Bio-Lebensmittel teurer?

Der Verzicht auf chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel ist ein wesentlicher Grund, warum Bio-Lebensmittel teurer sind. Denn die Arbeit mit natürlichen Mitteln ist aufwendiger und teurer, außerdem können nicht so hohe Erträge erzielt werden wie mit diversen Chemikalien. Wer sich für Bio-Lebensmittel entscheidet, unterstützt damit eine nachhaltige Landwirtschaft, welche gesunde Lebensmittel produziert, Artenvielfalt und gesunde Böden erhält.

Über Bio-BloggerIn Lisa93 Artikel

Feinspitz mit Experimentierfreude. Aufgewachsen in einer kulinarisch höchst affinen Familie mit eigenem Gemüsegarten, zudem ausgestattet mit einer ordentlichen Portion Neugierde und Furchtlosigkeit, waren Küchenexperimente seit jeher wesentlicher Bestandteil meines kreativen Lebens. Kochen ist für mich Leidenschaft und kreativer Ausgleich, niemals „Haushaltspflicht“. Je mehr man [...]

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar verfassen

Absenden

* erforderlich (E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht)