Bio-Trendscout Katrin Leitgeb berichtet: Belgien

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Wir sind neugierig, was es mit Bio in aller Welt auf sich hat. Also schnuppern wir über den heimischen Tellerrand hinaus. Gemeinsam mit KURIER KARRIERE vergeben wir bereits zum vierten Mal Stipendien an Studierende im Ausland, damit sie für uns als Bio-Trendscouts berichten. Am Programm der 4. Staffel stehen Bern/Schweiz, Berlin/Deutschland, Hasselt/Belgien, Columbia/USA und Stockholm/Schweden.

Katrin Leitgeb studiert Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. Hier ihr persönlicher Bericht aus Hasselt, Belgien:

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Hasselt – willkommen in der Genussstadt Belgiens!

Belgien – Land mit französischen, niederländischen und deutschen Einflüssen – von Zimtbrötchen in Gent, specküberbackenen Hot-Dogs und Bars mit tausenden Bieren in Brüssel bis hin zu Hasselt, der Genussstadt Belgiens mit einer Vielzahl an kleinen, charmanten Restaurants.

Mein Erasmus-Auslandssemester hat mich in die kleine belgische Stadt gebracht, die in der Flämischen Region Limburg liegt. Ich als „Small-Town-Girl“ bin sehr froh, dass mich das familiäre Gemeinschaftsgefühl auch hier in Hasselt begleitet. Auf Wochenmärkten trifft man auf bekannte Gesichter, in Bio-Supermärkten wird man schon beim Durchgehen satt, weil so viele Speisen zum Kosten angeboten werden. So lässt es sich leben!

„Frietten“ & Bier, Belgiens Nationalspeise

Was ich bis jetzt herausfinden konnte, ist: Die Belgier lieben ihre „Frietten“ und ihr Bier über alles. Sogar in meiner Universitätscafeteria, in der es köstliches Essen gibt, werden jeden Tag Pommes angeboten. Auch etwas verwundert war ich über die Bar, die sich in meinem Universitätsgebäude befindet und Bier schon am Vormittag verkauft. In einem Biosupermarkt – davon gibt es relativ viele – konnte ich sogar Bio-Bier in diversen Sorten finden. Nach Bio-Pommes sucht man aber vergeblich. Oder besser: Man sucht erst gar nicht danach, denn die orginalen „Frietten“ schmecken am besten so wie sie sind – fettig, mit einer riesigen Portion Sauce. Also ein richtiges Kalorienfeuerwerk!

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Hülle und Fülle im Bio-Supermarkt

Neben der bekannten belgischen Schokolade und den Waffeln, die man kiloweise essen könnte, legt man in Belgien Wert auf gesunde Ernährung: An jeder Ecke gibt es nicht wie bei uns einen Dönerstand, sondern es werden belegte Brötchen verkauft. Wenn man sich nach biologischem Obst und Gemüse und Bio-Lebensmitteln sehnt, hat man die beste Möglichkeit in Bio-Supermärkten. Dort ist die Auswahl wirklich groß und die Produkte können oft ohne Verpackung, also ohne umweltschädliches Plastik, erworben werden.

Sonst gibt es auch einiges an nicht verpackten Lebensmitteln wie Mehl, Zucker, Nüsse oder Süßigkeiten mit Papiertüten zum Selbst-Portionieren. Eier werden oft auch einzeln angeboten und der Trend der Pfandflasche in den Bio-Läden ist noch intensiver ausgeprägt als in Österreich. Jedes Geschäft stellt übrigens Brotschneidemaschinen, sehr oft Orangenpressen und hin und wieder auch Mikrowellen zur Verfügung.

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Feiern mit Jenever

Erwähnenswert ist auch das Jenever-Fest von Hasselt. Jenever ist ein Wachholder-Schnaps mit Ursprung (so heißt es zumindest) in Hasselt. Das alkoholische Getränk gibt es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen, von Kokos über Kaktus bis hin zu Kaffee und Erdbeer-Rhabarber. Jedes Jahr im Oktober gibt es dann einen riesengroßen Aufmarsch an Leuten, Trinkbegeisterten, wichtigen Persönlichkeiten und Studenten, die besonders die Attraktion des „Jenever-aus-einem-Brunnen-Trinken“ genießen.

An diesem Tag werden auch die Speculaas angeboten. Bei uns bekannt als Spekulatius-Gebäck, das gerne zu Weihnachten gegessen wird, kann man die Süßigkeit in Hasselt das ganze Jahr genießen.

Flamen und ihre Wochenmärkte

In Hasselt findet zweimal pro Woche ein Wochenmarkt statt, bei dem Bauern und Produzenten aus der Region ihre Produkte verkaufen. Die Auswahl ist groß, die Produkte qualitativ hochwertig, aber Bio-Produkte findet man nicht so einfach. Jedoch werden viele Lebensmittel in Papiersackerln verkauft, so dass man die genaue Menge an Kartoffeln oder Birnen selber wählen kann. „Belgien liebt Birnen“, wie mir eine Obstverkäuferin erzählte und meinte, dass es in Belgien viel zu viele Birnen gäbe, diese sind daher sehr billig aber auch wirklich gut.
Nach dem Einkauf am Wochenmarkt legt man eine genüssliche Pause in einem der Cafés ein. Da darf es vormittags auch schon ein Bier sein. Ja, richtig gelesen. In Österreich würde man eventuell etwas schief angeschaut werden, doch hier in Hasselt ist das ganz normal.

Frühstück in Belgien

Bevor es zum großen Abschied kam, durfte ich noch einiges über die Frühstücksgewohnheiten der Belgier herausfinden. Bei der morgendlichen Mahlzeit sind die BelgierInnen den ÖsterreicherInnen sehr ähnlich. Unter der Woche muss es flott gehen und so wird meist Müsli gegessen – gerne auch als Bio-Version. Bei größerem Hunger kann es dann auch ein Brot mit Butter oder Aufstrich sein. Dazu gibt es Kaffee, heiße Schokolade und Fruchtsäfte. Am Wochenende und in den unterrichtsfreien Zeiten wird gerne mit der Familie groß gefrühstückt. Sonntags fahren viele BelgierInnen zum Bäcker um der Familie etwas Frisches zu servieren. Dann gibt es Croissants, Eclaires und andere Köstlichkeiten. Was Gebäck betrifft, ist die Auswahl zwar groß, doch nach richtig gesundem Vollkornbrot muss man schon ein bisschen länger suchen. In größeren belgischen Städten konnte ich aber auch glutenfreies Gebäck finden.

Sektfrühstück Sektfrühstück

Belgien als Herz von Europa hat nicht nur in Sachen Politik die Internationalität hervorragend verstanden, sondern auch wenn es um die Kulinarik geht. Englisches oder Französisches Frühstück findet nicht selten auf der Frühstücksspeisekarte Platz. Etwas typisch Belgisches habe ich jedoch auch probieren dürfen: Schokostreusel auf dem Brot. Die beliebte Backdekoration wird dann nach einer Schicht Schokoladecreme oder Butter auf das Brot gestreut. Köstlich! Genau so grandios ist die Spekulatius-Creme, die man sich auch aufs Brot streichen kann. Meine belgischen Mitstudentinnen meinten, dass sich die Frühstückskultur in den letzten Jahren positiv geändert hat, denn es wird viel gesünder gespeist. Noch nicht alle sind zu diesem gesunden Lifestyle übergegangen, aber das könnte sich in den nächsten Jahren ändern.

Über Bio-BloggerIn Rebecca18 Artikel

Meine Leidenschaft für Lebensmittel hat schon im frühen Kindesalter begonnen. Daran waren meine Eltern mit ihrem Restaurant wohl nicht ganz unschuldig. Am liebsten rührte ich vorsichtig in den Tagessuppen herum, unterhielt Gäste und zapfte hinter der Bar auf einer Getränkekiste für meinen Papa ein kleines Bier mit Schaumhaube. Meinen Bezug zu Lebensmittel konnte ich schließlich in [...]

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