Fam. Kupfer: Bio-Weide-Jungrinder – der Lohn der Natur

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Stiwoll, Steiermark: See-muh-see-see-see singt Bio-Bauer Hans Kupfer, und die ersten Kühe heben neugierig ihre Köpfe. Beim zweiten Mal sind es schon einige mehr, die ihm graskauend entgegenblicken, und einige setzen sich auch gleich freudig in Bewegung in Richtung Kuhstall. Ein Jungtier trabt fröhlich den Hügel hinauf, um oben anzuhalten und auf die Mutter zu warten. Die letzten Sonnenstrahlen blinzeln durch den Apfelbaum vor dem Stall und das sanfte Abendlicht taucht den Hof der Familie Kupfer in zarte Pastelltöne. Die ersten und die letzten Stunden des Tages haben hier auf dem Berg inmitten der umliegenden Weiden etwas ganz besonders Magisches.

Aus Bauernhand

„Aus Bauernhand“ ist ein Projekt, in dem wir mit unseren interessierten Gästen regionale Bio-Bauern besuchen, mit ihnen kochen, genießen und Einblick in ihre Arbeit und Leidenschaft nehmen dürfen.

„Bio sind wir, weil uns das Drumherum wichtig ist“, sagt Hans und erklärt, dass es ihm eben ein Anliegen ist, dass der Boden gesund bleibt, die Tiere ein schönes, ausgeglichenes Leben in einer natürlichen Umgebung haben und auch die Nachkommen auf eine intakte Umwelt bauen können. Als Hans und Renate den Hof von Renates Eltern übernommen haben, geschah dies aus Liebe zur Natur und den Tieren. Seit 21 Jahren arbeitet die Familie bereits biologisch und bereut es nicht, diesen Schritt gemacht zu haben. Die Misswirtschaft und Ausbeutung, die weltweit mit Umwelt und Tieren betrieben wurden und auch heute noch stattfindet, wollte die Familie nicht unterstützen: Sie entschied sich für eine nachhaltigere, schonendere Arbeitsweise. Die Bewahrung der Böden, Tiere und Pflanzen – ihrer Lebensgrundlage – liegt Renate und Hans sehr am Herzen, und die entsprechenden Werte wollen sie auch an ihre Kinder weitergeben.

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Besonders den Kälbern geht es am Hof der Familie Kupfer gut, denn sie werden nicht wie in vielen konventionellen Betrieben früh von ihrer Mutter getrennt. Bis sie ausgewachsen sind, also rund 11 Monate, bleiben sie bei der Mutter und wachsen in einer großen Herde auf. Schon die Befruchtung findet hier auf natürliche Art und Weise statt. Die Kupfers halten gleich zwei Stiere, die in eine gemeinsame Herde integriert sind. „Die zwei Stiere haben kein Problem miteinander, solange sie genug Platz haben – die machen sich das schon selbst aus“, sagt Hans. Platz haben sie auf alle Fälle, denn rund um den Bio-Hof befinden sich riesige Weiden. Aber auch unter den Kühen gibt es eine Rangordnung, erzählt Hans und zeigt auf die „Chefin“. „Die kleinen Kälber, die zur Welt kommen, liegen zuerst zusammengekuschelt oben beim Stall, dann wandern ihre Schwanzerl in die Höhe und sie galoppieren die ganze Wiese hinunter“, erzählt Renate. „Sie sind wie kleine Kinder, spielen wie kleine Kinder und brauchen genau so viel Zuneigung wie kleine Kinder.“ Deshalb legt die Familie Kupfer Wert darauf, sie bei ihrer Mutter und ihren Geschwistern aufwachsen zu lassen. Das ganze Jahr hindurch haben die Kühe genügend Auslauf, und solange es genügend Grünfutter für sie gibt – das ist meist von Mitte April bis Ende Oktober – sind sie auf der Weide.

Die beiden Bio-Bauern legen auch sehr viel handwerkliches Geschick an den Tag. Renates Bauerngarten ist ein kleines Paradies und birgt zahlreiche regionale Gemüseschätze. Zig Salate findet man dort. Sie lagert sie ein, um sie dann in der hauseigenen Buschenschank anbieten zu können. Aber auch Karotten, Sellerie, Kraut, Paradeiser, Erdäpfel und Bohnen – natürlich alles in Bio-Qualität – können hier regelmäßig geerntet werden. „Für mich ist es eine Faszination, eine Pflanze vom Säen bis zum Ernten und Verarbeiten zu begleiten, das ist einfach in mir drinnen“, strahlt Renate, wenn sie von ihrem Garten erzählt. „Außerdem schmeckt es einfach anders“, fügt sie hinzu, „jeder Handgriff wird von der Natur mehrfach belohnt, und wenn du das nächste Mal vorbeigehst, siehst du, was du gemacht hast.“ Aber auch in der Küche geschieht hier noch alles von Hand: „Nimm Wasser, Sauerteig, Salz und Mehl und du hast einen Laib Brot in der Hand, etwas, das jeder Mensch braucht zum Leben.“ Dreimal die Woche wird Brot geknetet, so wie früher, denn Hans war ursprünglich Bäcker. Im Buschenschank werden fast ausschließlich eigene Produkte angeboten, vom Gemüse bis zum Brot und den hauseigenen Würsteln.

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Renate und Hans waren so ziemlich die ersten Bio-Bauern in der näheren Umgebung. Österreichweit waren sie außerdem der erste Betrieb, der Bio-Puten großzog, was damals absolut neu war. Schon vor vielen Jahren arbeiteten sie mit effektiven Mikroorganismen, auch EM genannt, um Keime zu reduzieren, den Boden zu beleben und die Umsetzung organischer Materialen zu beschleunigen. Für Menschen, Tiere, Pflanzen, Böden und das Wasser ist eine solche Mischung von Mikroorganismen sehr nützlich, und Hans ist froh, sie schon früh eingesetzt zu haben. Die harte Arbeit der beiden Bio-Bauern und ihre Fürsorglichkeit gegenüber Tieren und Pflanzen werden von der Natur belohnt: Die Entscheidung auf biologische Landwirtschaft umzusteigen, war ganz klar die richtige.

Bio-Info

Sehen. Fühlen. Riechen. Schmecken. Hören. Aus Bauernhand ist mehr als eine Plattform. Sie gibt Bio-Bauern die Möglichkeit, ihre Arbeit, ihre Passion und ihre Produkte einem interessierten, nachhaltig denkenden Publikum auf authentische Art und Weise zu präsentieren. Dabei wird in Form von Portrait-Videos, Fotos und Erzählungen ein 360°-Blick auf die Bauern und ihre Höfe geworfen.

Über Bio-BloggerIn Meli25 Artikel

Ich war eines der glücklichen Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen durften und kostete in der kleinen Dorfbäckerei meiner Großeltern das kulinarische Leben am Land vollends aus. Nach einigen Jahren in Wien habe ich allerdings erst gelernt, wie wertvoll diese Erfahrungen sind und wie wichtig die Natur, das Handwerk und der unstillbare Hunger nach höchster Qualität für mich, meine [...]