„Eier mit Liebe gemacht“ von Bio-Bauern Grimps aus dem Mühlviertel

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Früher war es selbstverständlich, Fleisch und Eier gleichermaßen von Zweinutzungshühnern zu nutzen. Doch die Leistungsanforderungen stiegen und es wurden Hühner speziell fürs Eierlegen gezüchtet. Die Hähne gaben zu wenig Fleisch und wurden deshalb nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. Und hier kommt Ja! Natürlich mit seinen Ansprüchen an artgemäße Tierhaltung ins Spiel:

„Eier mit Liebe gemacht“ kommen von Hühnern, deren Brüder aufgezogen und nicht – wie bis vor einiger Zeit üblich – getötet werden. Das Pionier-Projekt wurde von Ja! Natürlich ins Leben gerufen und wird nun voraussichtlich der gesamten österreichischen Bio-Branche als Vorbild dienen. Bio-Bauer Gerald Grimps aus Julbach im oberösterreichischen Mühlviertel erzählt uns im Interview über seine Erfahrungen mit der neuen Hühner-Kreuzung „Sandy“, über die größten Herausforderungen in der Haltung von Geflügel und warum für ihn ausschließlich Bio in Frage kommt:

Ja! Natürlich: Früher war es üblich, Fleisch und Eier von Zweinutzungshühnern zu beziehen. Wie haben Sie als Bauer die Entwicklung in die andere Richtung – immer mehr Leistung von den Tieren zu fordern – wahrgenommen?

Gerald Grimps: Es ist leider so, dass für  unsere Grundbedürfnisse wie z.B. Essen immer weniger Geld ausgegeben wird, um für Luxusgüter wie Urlaub, Auto, Schwimmbad, Handy usw. mehr zur Verfügung zu haben. Damit wir in der Landwirtschaft überleben können, müssen wir so kostensparend wie möglich arbeiten und erzeugen. Das können wir allerdings nur, wenn wir Tiere haben, die das möglich machen. Bei den Tieren ist es wie bei uns Menschen: Die Versorgung muss zu 100% passen, dann fühlen wir uns wohl!

Ja! Natürlich: Was ist die Geschichte hinter Ihrem Hof?

Gerald Grimps: Wir haben den mittelkleinen Milchviehbetrieb meiner Eltern 2005 übernommen und haben auf Mutterkuhhaltung und auf biologische Landwirtschaft umgestellt. In den 10 Jahren sind jedoch die Einnahmen stetig gesunken und die Ausgaben mit jedem Jahr mehr geworden. Bis dann die Streichung der Mutterkuhprämie das finanzielle Ende der Rinderhaltung bei uns zur Folge hatte. Bei der Entscheidung, alles an den Nachbarn (der übrigens auch biologisch wirtschaftet) zu verpachten oder sich ein anderes Standbein zu suchen, führte uns die Entscheidung von Schafen über Hühnermast zu den Legehennen.

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Ja! Natürlich: Hühner in Bio-Haltung haben doppelt so viel Freilauf wie ihre konventionellen Artgenossen. Wie wirkt sich mehr Bewegung, frische Luft und Sonne allgemein auf das Verhalten der Tiere aus?

Gerald Grimps: Die Tiere lieben es, auf der Wiese im Freien zu scharren. Sie sind aber ständig auf Ausschau nach Feinden aus der Luft. Das Sandy-Huhn ist vorsichtiger und hält sich mehr in der Nähe des sicheren Stalls auf, um bei einer drohenden Gefahr (und sei es nur ein Flugzeug) schnell wieder in den Stall zu flüchten. Dabei genießen die Hühner sichtlich das Picken von Gras und kleinen Insekten im Auslauf.

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Ja! Natürlich: Was sind grundsätzlich die größten Herausforderungen, Geflügel zu halten?

Gerald Grimps: Das Wichtigste ist, dass die Tiere gesund bleiben. Gerade im Bio-Bereich muss man auf geringste Veränderungen achten, um ehest reagieren zu können. Dabei ist natürlich die moderne Technik eine große Hilfe. Bei uns werden täglich Futterverbrauch, Wasserverbrauch, das Gewicht der Tiere und auch das Gewicht der Eier genau beobachtet, um Veränderungen bei den Hühnern sofort zu bemerken.

Ja! Natürlich: Warum haben Sie sich für biologische Tierhaltung entschieden? Müssen Sie als Bio-Bauer mehr Aufwand in Kauf nehmen?

Gerald Grimps: Der Aufwand ist natürlich beträchtlich – aber für uns kommt nur Bio in Frage. Allein die fast doppelt so hohen Futterkosten, die etwa  2/3 der Kosten ausmachen, sind enorm. Auch die Investitionskosten sind höher als im konventionellen Bereich, da wir maximal 3000 Hühner pro Stall auf mehr Platz pro Huhn halten dürfen. Außerdem gibt es nur eingeschränkte Möglichkeiten bei den Futterergänzungen wie Vitaminen, die dann meist auch nicht so wirksam sind. Im Bio-Bereich sind weiche Einstreunester vorgeschrieben. Was wieder zur Folge mehr Kosten und weniger verkaufsfähige Eier hat. Die Hühner können den halben Tag über auf den Eiern sitzen und dadurch werden mehr Eier beschädigt und verschmutzt.

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Ja! Natürlich: 3000 Hühner dürfen in einer artgemäßen Bio-Herde gehalten werden. Außenstehende sind oft über die hohe Anzahl verwundert. Unter welchen Bedingungen fühlen sich die Hühner im Stall und auf der Wiese trotzdem wohl?

Gerald Grimps: Hühner sind Herdentiere und benötigen den Schutz der Herde für Ihr Sicherheitsbefinden. Man merkt ganz besonders am Abend, wenn es zur Nachtruhe geht, wie eng sich die Tiere zusammensetzen und der restliche Stall leer ist. Zudem haben wir in Österreich deutlich mehr Platzangebot als europaweit in den Richtlinien vorgeschrieben ist. Die Auslauffläche für konventionelle Hühnerhaltung sind 2m² pro Henne, in der Bio-Haltung nach Europavorschrift sind 4m² pro Henne vorgesehen. Und bei uns am Hof hat jede Henne 10 m² Auslauf.

Ja! Natürlich: Wie sieht Ihr täglicher Arbeitsablauf aus?

Gerald Grimps: Das wichtigste ist das Wohl der Tiere. Daher beginnt der Morgen mit einem Rundgang im Stall. Nach dem Blick auf die Aufzeichnungen der Futter- und Tierwaagen wird mit dem Abnehmen der Eier begonnen. Der Nachmittag steht dann nach einem Kontrollgang durch die Stallungen für Entmisten, Weidepflege und sonstige Arbeiten auf den Feldern und im Wald zur Verfügung. Am Abend werden dann die restlichen Eier aus den Nestern abgenommen und nochmals bei einem Rundgang durch den Stall nach dem Wohl der Hühner gesehen. Einige Blicke auf die Fütterungsanzeige zwischendurch garantiert mir eine optimale Versorgung der Tiere mit Futter.

Ja! Natürlich: Gibt es einen Unterschied im Alltag der Hühner zwischen Sommer- und Wintermonaten?

Gerald Grimps: Einige Kleinigkeiten sind natürlich im Sommer bei Hitzewellen, wie wir sie eben hatten, oder im Winter bei extremen Witterungsverhältnissen zu beachten. Aber die Hauptarbeit im Stall und bei den Hühnern ist relativ gleich.

Ja! Natürlich: Hühner nützen ihren Auslauf ins Freie nur, wenn sie auch Schutz von oben vor Greifvögeln und der Sonne finden. Welche Maßnahmen haben Sie gesetzt, um diesem Bedürfnis gerecht zu werden?

Gerald Grimps: Wir haben reichlich Bäume im Auslauf gepflanzt und zusätzliche Unterschlupfmöglichkeiten zum Schutz aufgestellt.

Ja! Natürlich: Wie gestalten Sie den Rhythmus für die Hühner? Wann dürfen sie ins Freie?

Gerald Grimps: Der Tagesablauf richtet sich nach dem Verhalten der Tiere. Am Morgen wird gefressen und gelegt. Der Auslauf in den Außenscharrraum steht den Hühnern ab dem Morgen zur Verfügung. Im Laufe des Vormittags bis Sonnenuntergang dürfen die Hühner auf den Auslauf ins Freie.

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Ja! Natürlich: Wie alt dürfen Bio-Hühner werden?

Gerald Grimps: Die Frage wie alt unsere Hühner werden dürfen ist eine schwierige Entscheidung der wirtschaftlichen Leistbarkeit. Das Futter ist teuer, aber der Ertrag pro Henne scharf kalkuliert. Die Qualität der Eier wird mit zunehmendem Alter schlechter und der Ausschuss mehr. Wir müssen unsere neuen Hühner bereits 6 Monate vorher bestellen und können uns daher nicht leisten, die Tiere zu lange am Betrieb zu halten. Wir halten unsere Hühner 14 Monate am Betrieb und freuen uns für alle, die danach bei anderen Hühnerhaltern noch weitlegen dürfen.

Ja! Natürlich: Als Bio-Bauer müssen Sie den internen Kreislauf in der Bewirtschaftung der Wiesen und Getreidefelder für Futtermittel nützen. Selbstverständlich ohne künstlichen Dünger und ohne chemisch-synthetische Spritzmittel. Wie sieht dieser Kreislauf bei Ihnen aus?

Gerald Grimps: Bei uns  war die chemiefreie Bewirtschaftung unserer Felder bereits vor der  Umstellung auf Bio kein Thema mehr. Die Düngung erfolgte ausschließlich mit hofeigenem Wirtschaftsdünger. Die Regulierung der Beikräuter im Ackerbau wurde mit einer ausgewogenen Fruchtfolge erreicht. Dabei wurde auf Begrünung und Verwendung von biotauglichen Feldfrüchten wie Wintergetreide,  Hafer und ampferfreien Feldfuttermischungen größter Wert gelegt. Ampfer und Distel werden mechanisch ausgestochen.

Ja! Natürlich: Was fressen die Hühner in der Natur, wie viel und welches Futter brauchen sie zusätzlich?

Gerald Grimps: Die Hauptversorgung der Tiere erfolgt im Stall über das zugekaufte Bio-Futter. Im Freien werden Gras, Insekten und Sandkörner, die wichtig für die Verdauung sind, aufgenommen.

Ja! Natürlich: Seit wann sind Sie Kooperationspartner von Ja! Natürlich? Was sind die Vorteile für Sie, mit Österreichs größter Bio-Marke zusammenzuarbeiten?

Gerald Grimps: Wir waren bereits bei den Mutterkühen Ja! Natürlich-Lieferanten. Und es war auch bei den Hühnern bzw. Eiern keine Frage, wieder zusammenzuarbeiten. Wichtig ist ein stabiler Absatz über das ganze Jahr. Der wird natürlich über die ständige Präsenz in der Werbung sichergestellt. Wichtig ist, den Kunden von der Naturnähe der Bio-Produkte überzeugen zu können.

Ja! Natürlich: Welche Kontrollen überprüfen die strengen Bio-Richtlinien und die Gesundheit der Hühner?

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Gerald Grimps: 1. Zumindest alle 12 Wochen werden wir durch den Tierarzt auf Salmonellen überprüft. 2. 1x jährlich wird die Salmonellenüberprüfung unangemeldet durch den Amtstierarzt durchgeführt, der gleichzeitig die Tiere auf Hemmstoffe (unerlaubten Medikamenteneinsatz) überprüft. 3. 1x jahrlich werden wir von unserer Bio-Kontrollstelle der Lacon überprüft. 4. 1x jährlich kontrolliert die KAN auf besonders artgerechte Nutztierhaltung. 5. Vor der 1. Einstallung wird der Stall auf Bio-Tauglichkeit vom Land OÖ für die Legehennenregistrierung und vom Lacon auf Bio-Richtlinien überprüft. 6. Kontrolle durch das Qualitätsmanagement von Ja! Natürlich.

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Ja! Natürlich: Durch welche Argumente würden Sie einen konventionellen Bauern von biologischer Tierhaltung überzeugen?

Gerald Grimps: Alles was wir unseren Tieren geben und auf unsere Felder ausbringen, gelangt über Umwege wieder an uns zurück. Man solle einmal darüber nachdenken, wie viele Medikamente und Gifte wir zu uns nehmen wollen oder was wir unseren Kindern zumuten möchten.

Ja! Natürlich: Welche Zukunftsaussichten hat die biologische Landwirtschaft Ihrer Einschätzung nach?

Gerald Grimps: Ich glaube wir sind mit Bio am richtigen Ast gelandet. Das Wachstum des Bioanteiles und das gestiegene Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten gibt uns Recht!

 Ja! Natürlich: Herr Grimps, wir danken für das Gespräch.

Über Bio-BloggerIn Ulli134 Artikel

Bio-Bloggerin mit Herzblut. Die schönen Dinge des Lebens (Natur, Garten, Essen, Texten, Fotografieren) standen schon seit jeher auf meiner Lebensagenda. Wie schön, bei Ja! Natürlich gelandet zu sein, wo ich all die Bereiche, denen meine Leidenschaft gehört, umsetzen kann. Eine vielseitig spannende und interessante Herausforderung, die mir tagtäglich Einblicke in die anspruchsvolle [...]

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