Raimund Artner: Bio-Knoblauch aus Sigleß im Burgenland – Interview

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Das Wissen im Anbau von heimischem Knoblauch ist in den letzten Jahrzehnten durch Billigimporte der geruchsintensiven Knolle verloren gegangen – die meisten österreichischen Bauern konnten preistechnisch nicht mithalten und gaben den Knoblauch-Anbau auf. Das steigende Bewusstsein von Regionalität und Bio-Qualität der Konsumenten hingegen motivierte den burgenländischen Bio-Bauern Raimund Artner in seinem Engagement, Knoblauch wieder auf heimischen Feldern anzubauen. Durch Ausprobieren der verschiedensten Sorten am eigenen Betrieb, aktiven Austausch mit Kollegen im In- und Ausland und Interesse an Fachexkursionen, eignete er sich im Laufe der Zeit das notwendige Know-how an. Seit nunmehr 10 Jahren beliefert Herr Artner Ja! Natürlich mit seinem Bio-Knoblauch.

Ja! Natürlich:

Wie verläuft die Geschichte Ihres Betriebs?

Raimund Artner: Die Eckdaten sind: 1988 mit 5 ha begonnen, 1990 umgestellt auf bio, Knoblauchanbau seit 1998 – zuerst nur 0,5ha, seitdem sind wir kontinuierlich gewachsen. Seit 10  Jahren liefern wir Bio-Knoblauch an Ja! Natürlich.

Ja! Natürlich:

Knoblauch ist bereits seit Jahrtausenden im Einsatz und kommt in fast allen Kulturen und Küchen zur Anwendung. Dennoch wird in Österreich kaum Knoblauch angebaut. Warum ist das so?

Raimund Artner: Bis 1960 gab es traditionell Knoblauchanbau in Österreich (Eigenversorgung, regionale Märkte, Weingartenknoblauch). Danach haben die Länder im Mittelmeerraum (besonders Spanien, später Argentinien) den Anbau weiterentwickelt. Es wurden bessere Sorten gezüchtet, der Anbau wurde mechanisiert. Dort waren auch die besten klimatischen Voraussetzungen. Ab den 1980-er Jahren kam dann sehr billige Importware aus China (produziert heute 90% der Welternte!). Durch den hohen Handarbeitsaufwand waren und sind Niedriglohnländer preislich immer konkurrenzfähiger. Es gab immer wieder Initiativen, den Anbau und die Vermarktung im Inland zu fördern, das scheiterte aber meistens an der hohen Preisdifferenz zu Importware. Seitdem die Konsumenten aber immer mehr regional erzeugte Lebensmittel nachfragen, gibt es wieder vermehrt Anbau in Österreich – momentan ca. 200 ha, davon ca. 50% bio! Das deckt aber nur 10% des heimischen Gesamtbedarfes.

Ja! Natürlich:

Der Anbau von Knoblauch ist sehr arbeitsintensiv. Viel Handarbeit und mehrere Arbeitsschritte sind notwendig. Wie sieht der Arbeitsablauf aus? In welchen Bereichen muss händisch gearbeitet werden?

Raimund Artner: In allen Bereichen gibt es trotz Mechanisierung noch sehr viel Handarbeit: Vom Zerteilen des Pflanzgutes, Beikraut-Regulierung bis zur Aufbereitung nach der Ernte.

"Ohne Einsatz von Chemie gute Lebensmittel zu erzeugen, lebendige Böden fördern und den Pflanzen bei Wachsen zuzusehen."

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Ja! Natürlich:

Sie versorgen Ja! Natürlich das ganze Jahr über mit Ihrem Bio-Knoblauch. Das ist eine große Herausforderung – schließlich wird Knoblauch nur einmal jährlich geerntet. Welche Maßnahmen müssen Sie setzen, um eine Versorgung rund ums Jahr garantieren zu können?

Raimund Artner: Die richtige Trocknung und Lagerung ist für Knoblauch besonders wichtig. Wir brauchen Räume, in denen die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit gesteuert werden kann.

Ja! Natürlich:

Der Knoblauch bevorzugt einen sonnigen Standort. Inwiefern begünstigt das warme Klima den Anbau von Knoblauch in Ihrer burgenländischen Region?

Raimund Artner: Knoblauch ist eine wärmeliebende Pflanze und braucht während der Vegetation auch einiges an Wasser. Am wichtigsten ist aber, dass in der Abreife im Juni trockenes Wetter herrscht, sonst gibt es Verfärbungen an der Schale. Das kommt immer wieder vor, ist aber nur ein optisches Problem.

Ja! Natürlich:

Die optimalen Bodenbedingungen sind feuchte Erde ohne Staunässe. Wie schaffen Sie diese Voraussetzung?

Raimund Artner: Durch die Auswahl der richtigen Böden, tiefe Bodenlockerung, biologisch aktive Böden und Gründüngungsanbau.

Ja! Natürlich:

Wie ist der Ablauf der Ernte? Wann wird geerntet?

Raimund Artner: Frischknoblauch ernten wir per Hand. Dieser wird gereinigt, gekühlt und rasch ausgeliefert – ca. vom 10. Juni bis Mitte Juli. Die Haupternte erfolgt maschinell, danach wird der Knoblauch enterdet und ca. 4 Wochen getrocknet. Die Haupternte ist je nach Sorte vom 20. Juni bis 20. Juli.

Ja! Natürlich:

Der Bio-Landbau kommt ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Spritzmitteln und ohne künstliche Dünger aus. Gibt es Schädlinge oder Pflanzen-Krankheiten, mit denen im Knoblauch-Anbau zu rechnen ist?

Raimund Artner: Knoblauch wird von einigen Schädlingen befallen wie beispielsweise von Nematoden, Milben, Tripse, Knoblauchfliegen, Lauchmotten oder Drahtwürmern. Auch Krankheiten können auftreten wie verschiedene Pilze und auch Bakterien. Knoblauchextrakte kann man aber auch bei anderen Kulturen als Pflanzenhilfsstoff oder Pflanzenschutzmittel einsetzen.

Ja! Natürlich:

Bedeutet „Bio“ großen Mehraufwand für den Bio-Bauern im Anbau von Knoblauch? Worin liegen die Unterschiede zum konventionellen Anbau?

Raimund Artner: Wegen der oben genannten Erreger werden im konventionellen Anbau Nematizide, Fungizide und Insektizide eingesetzt, außerdem Herbizide gegen Unkräuter und Keimhemmungsmittel gegen zu frühen Auswuchs. Die Bio-Landwirtschaft setzt keines dieser Mittel ein. Deshalb ist der Ertrag im Durchschnitt geringer und bei ungünstigen Bedingungen kann es sogar zu Ernteausfällen kommen oder zu Problemen bei der Lagerung.

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Ja! Natürlich:

Warum nehmen Sie diesen Mehraufwand in Kauf? Was sind Ihre persönlichen Beweggründe, sich für biologischen Landbau entschieden zu haben?

Raimund Artner: Ich will meine eigene Gesundheit schützen. Lebensmittel dürfen einfach keine Rückstände von irgendwelchen Substanzen enthalten!

Ja! Natürlich:

Herr Artner, wir danken für das Gespräch.

Über Bio-BloggerIn Ulli76 Artikel

Bio-Bloggerin mit Herzblut. Die schönen Dinge des Lebens (Natur, Garten, Essen, Texten, Fotografieren) standen schon seit jeher auf meiner Lebensagenda. Wie schön, bei Ja! Natürlich gelandet zu sein, wo ich all die Bereiche, denen meine Leidenschaft gehört, umsetzen kann. Eine vielseitig spannende und interessante Herausforderung, die mir tagtäglich Einblicke in die anspruchsvolle [...]

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