Besuch beim Bio-Weidejungrind: Sonntagspudding mit steirischer Aussicht

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Auf dem Biohof Kupfer im steirischen Stiwoll, inmitten noch immer saftig grüner Wiesen – eine Besonderheit für November – hat man das Gefühl, die ganze Steiermark liege einem zu Füßen. Wir befinden uns am Rodnerkogel, dem vierten Stopp auf unserer kulinarischen Entdeckungsreise Aus Bauernhand. Das sanfte Herbstlicht löst den morgendlichen Nebel ab und gibt einen Blick auf die wundervolle Landschaft frei.

Von ganz oben sieht man vereinzelte Tupfen auf den satten Wiesen – die Kühe der Familie Kupfer. Ein lautes Muhen reißt einen gelegentlich aus den Gedanken, oder eine kleine weiße Katze, die einem sanft um die Beine streicht. Den Blick von diesen Bilderbuchszenen zu lösen, fällt schwer.

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Doch der Biohof der Familie Kupfer, ein Betrieb mit Mutterkuhhaltung, erfordert viel Elan und Engagement. Renate und Hans Kupfer legen nicht nur diese beiden Eigenschaften an den Tag, sondern auch Einfühlsamkeit und eine herausragende Beobachtungsgabe – sehr zum Tierwohl ihrer beiden Stiere, der Kühe und Kälber auf ihrem Hof.  „Bio“ – das ist für die beiden nicht nur ein Siegel, sondern eine Lebenseinstellung. Über die Jahre hat sich das Paar hier ein kleines Paradies geschaffen. In ihrer Buschenschank, beliebtes Ausflugsziel bei Alt und Jung, bieten sie vorwiegend Selbstgemachtes aus Gemüsegarten und Brotbackofen an – dazu Würstel, Schinken und Speck aus dem eigenen hochwertigen Weide-Jungrindfleisch.

An diesem Samstag wird die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt, jedoch ein wenig unterbrochen und durch fröhliches Gelächter unserer „Aus Bauernhand“-Gäste ersetzt. Zum Auftakt gibt es heißen Apfelglühwein sowie Rindermark mit getoastetem Brot. Christoph Fink, Koch der schwedischen Botschaft in Wien, verführt die Gäste heute mit einem exklusiven Menü unter dem Titel „Tafelspitz in fünf Gängen“. Im Fokus steht natürlich das Bio-Jungrind der Familie Kupfer, welches durch Christophs puristischen Kochstil besonders gut zur Geltung kommt. Nach der Begrüßung durch Martina Hörmer, Geschäftsführerin von Ja! Natürlich, und den Hausherrn, Bio-Bauer Hans Kupfer, spazieren die Gäste zur Tafel unter freiem Novemberhimmel. Auf wärmenden Lammfellen sitzend, wohlig eingehüllt in wollene Decken, genießen sie den Blick über das Tal und die Sonnenstrahlen, die auf den Baumwipfel tanzen.

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Als zweiten Gang offeriert Christoph einen Apfel-Kren-Waldorfsalat mit eingelegten Nüssen. Dann wird ein knalliger Rote-Rüben-Gin-Tonic mit Muskatnuss und Fichtenwipferl kredenzt. Darauffolgend „Schnittlauchsauce“, phantastisch inszeniert in Einzelteilen: ein lange gegartes Schnittlauchei mit Sauerrahm und Lauch.

Für Wärme von innen sorgt nun eine kräftige Rindsuppe mit getrocknetem Rindfleisch und Suppengemüse, während eine sanfte Brise schon den Geruch von frisch gegrilltem Fleisch zu den Tischen weht und den spektakulären Hauptgang ankündigt. Christoph legt viel Wert darauf, den Eigengeschmack der einzelnen Zutaten zu erhalten, und so kommt der gegrillte Tafelspitz vom Jungrind ganz puristisch daher – nur mit Salz und einer dezenten Feuernote gewürzt. Klassisch gibt es dazu Erdäpfel, von, über und aus dem Feuer. Schlagartig wird es still an den Tischen und man kann nur leises Flüstern und „Mmmmmh!“ vernehmen, ehe die ersten Gäste ihre Begeisterung kundtun und nach dem Geheimrezept fragen. Christophs bescheidene Antwort: Er habe doch nichts gemacht, es komme nur auf die Qualität des Fleisches an. Bio kann man eben schmecken!

Aus Bauernhand

„Aus Bauernhand“ ist ein Projekt, in dem wir mit unseren interessierten Gästen regionale Bio-Bauern besuchen, mit ihnen kochen, genießen und Einblick in ihre Arbeit und Leidenschaft nehmen dürfen.

Auch der abschließende „Sonntagspudding“ – gestockte Creme mit Apfelmarmelade und Karamell-Strudelblättern – sorgt noch einmal für applausgekrönten Hochgenuss am Ende eines traumhaften Novembernachmittages.

Die Gäste bedanken und verabschieden sich. Als Mitbringsel für Zuhause gibt es diesmal ein Glas Kürbis-Chutney, und Hausherrin Renate Kupfer fasst noch einmal in Worte, was vermutlich vielen der heutigen Gäste durch den Kopf geht: „Das war ein für mich einzigartiges Erlebnis, an das ich mich immer erinnern werde“.

Die ganze Entdeckungsreise Aus Bauernhand war wieder einmal ein Abenteuer zu wunderbaren Menschen auf einzigartigen Höfen, die mit viel Leidenschaft, Gespür und persönlichem Einsatz ihrer Arbeit nachgehen und uns zeigen, wie kostbar unsere Lebensmittel sind.

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Bio-Info

Sehen. Fühlen. Riechen. Schmecken. Hören. Aus Bauernhand ist mehr als eine Plattform. Sie gibt Bio-Bauern die Möglichkeit, ihre Arbeit, ihre Passion und ihre Produkte einem interessierten, nachhaltig denkenden Publikum auf authentische Art und Weise zu präsentieren. Dabei wird in Form von Portrait-Videos, Fotos und Erzählungen ein 360°-Blick auf die Bauern und ihre Höfe geworfen.

Über Bio-BloggerIn Meli25 Artikel

Ich war eines der glücklichen Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen durften und kostete in der kleinen Dorfbäckerei meiner Großeltern das kulinarische Leben am Land vollends aus. Nach einigen Jahren in Wien habe ich allerdings erst gelernt, wie wertvoll diese Erfahrungen sind und wie wichtig die Natur, das Handwerk und der unstillbare Hunger nach höchster Qualität für mich, meine [...]

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