Fam. Fleischhacker: Bio-Hokkaido aus Pamhagen

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Ende August, wenn die Sonne langsam wieder früher untergeht, beginnt die Kürbisernte. Bekannt und beliebt ist Kürbis als Herbstgemüse, geerntet wird in unseren Breiten aber schon im August. Kein Supermarkt kommt ohne Kürbis aus, in allen Farben und Formen gibt es sie in den Regalen. Was aber unterscheidet den Bio-Kürbis von konventioneller Ware? Wir waren bei der Ernte im burgenländischen Seewinkel dabei, wo Familie Fleischhacker in Pamhagen auf 4 Hektar Bio Kürbisse der Sorte Hokkaido anbaut. Mit 17 Jahren hat Josef Fleischhacker den Hof von seinem Vater übernommen. 1909 ist im Stadl eingraviert, wie lange auf diesem Grund tatsächlich schon Landwirtschaft betrieben wird, weiß niemand so genau. Vor 15 Jahren hat er sich Josef Fleischhacker entschieden, auf bio umzustellen. Bis heute ist er der Überzeugung, dass dies der richtige Weg ist. Im Interview direkt bei der Ernte hat uns der erfahrene Bio-Bauer einige spannende Fragen beantwortet.

Ja! Natürlich: Wie lange arbeiten Sie schon in der Landwirtschaft?

Josef Fleischhacker: Ich bin Vollerwerbsbauer seit ich 17 Jahre alt bin. Mein Vater ist damals verstorben und ich habe gleich den Hof übernommen. Mitgeholfen habe ich natürlich schon immer.

 

Ja! Natürlich: Wie lange ist Ihr Hof schon ein Bio-Betrieb und warum haben sie sich zur Umstellung entschlossen?

Josef Fleischhacker: Bio-Bauer bin ich seit 15 Jahren. Es gibt viele Gründe für bio, ausschlaggebend für mich war damals meine eigene Gesundheit. Ich habe durch die Herbizide im konventionellen Betrieb gravierende Probleme bekommen. Da wurde mir bewusst, dass diese Art der Landwirtschaft sowohl für mich als auch für den Boden und die Produkte kein guter Weg ist. Jetzt arbeiten wir ohne chemisch-synthetische Spritzmittel und achten auch darauf, dass keine konventionellen Felder in der Nähe sind.

Ja! Natürlich: Was machen Sie als Bio-Bauer anders?

Josef Fleischhacker: Wir halten eine Fruchtfolge ein, das heißt, dass wir auf einem Feld z.B. nur eine Saison lang Kürbis anbauen und dann wieder mehrere Jahre warten müssen, bis wir dieses Feld für den Kürbisanbau nutzen können. Nach einer Kürbissaison folgen z.B. Winterwicke, Platterbse, Senf oder Luzerne. Wir können dadurch nicht jedes Jahr von jedem Feld ernten, wie es in der konventionellen Landwirtschaft oft üblich ist, sondern arbeiten so, dass wir den Boden gesund halten. Mit Zwischenbegrünungen schützen wir den Boden außerdem vor Abtragungen durch Wind und Regen und vor Auswaschung der Nährstoffe. Das ist wichtig, weil wir als Bio-Bauern auf künstliche Dünger verzichten.

Bio-Info

Die wechselnde Aussaat unterschiedlicher Früchte (sog. „Fruchtfolge“) hält den Boden gesund und lockert ihn auf, was sich wieder positiv auf die Freisetzung von Nährstoffen für die folgende Ernte auswirkt. Das Gegenteil ist Monokultur, bei der auf demselben Feld immer wieder nur eine Frucht angebaut wird. Monokultur bringt vielleicht kurzfristig höheren Ertrag, dabei muss aber mit künstlichem Dünger nachgeholfen werden und der Boden kommt zu Schaden.

Ja! Natürlich: Hier liegen noch ein paar Kürbisse am bereits abgeernteten Feld, was passiert mit diesen?

Josef Fleischhacker: Manche Kürbisse sind zu klein oder beschädigt. Diese bleiben liegen und wirken wieder als Dünger fürs nächste Jahr.

Ja! Natürlich: Welche Kürbissorten bauen Sie an?

Josef Fleischhacker: Wir bauen bei Kürbis nur die Sorte Hokkaido an. Sie schmeckt wunderbar und hat eine hervorragende Konsistenz. Außerdem kann man die dünne Schale mitessen – gerade wenn der Kürbis aus biologischem Anbau kommt, wo keine chemisch-synthetischen Spritzmittel eingesetzt werden, ist das überhaupt kein Problem. Den Hokkaido essen wir auch selbst sehr gern. Wir essen viel Kürbis.

Ja! Natürlich: Wie essen Sie ihn am liebsten?

Josef Fleischhacker: Vor allem als Suppe. Am liebsten mit Kernöl und etwas Käse.

Ja! Natürlich: Was wird neben Kürbis noch alles auf ihrem Hof angebaut?

Josef Fleischhacker: Wir bauen auf 15 Hektar Getreide an: Dinkel, Sommer- und Winterweizen. Außerdem haben wir 2 Hektar Zucchinifelder und 15 Hektar Wein unterschiedlicher Sorten. Und natürlich die unterschiedlichen Zwischenfrüchte. Insgesamt bewirtschaften wir ca. 40 Hektar, wobei wir nicht jedes Feld jedes Jahr beernten, denn wir achten auf eine Fruchtfolge, die dem Boden gut tut.

Ja! Natürlich: Alles bio?

Josef Fleischhacker: Ja, etwas Anderes kommt für uns nicht in Frage. Getreide und Zucchini bauen wir ebenso wie die Hokkaido-Kürbisse für Ja! Natürlich an. Der Wein geht an das Weingut Meinklang nebenan. Hier hatten wir heuer leider wieder große Ernteausfälle wegen dem Spätfrost.

Ja! Natürlich: Gab es beim Kürbis schon mal größere Ernteausfälle?

Josef Fleischhacker: Beim Kürbis ist es möglich, später auszusäen, da haben wir den Spätfrost abgewartet. So konnten wir Ernteausfälle verhindern.

Ja! Natürlich: Wie bekämpfen Sie als Bio-Bauer Schädlinge?

Josef Fleischhacker: Schädlinge sind beim Hokkaido kein besonders großes Problem.

Ja! Natürlich: Wie wird durch Kontrolle die Qualität sichergestellt?

Josef Fleischhacker: Kontrollen haben wir von unterschiedlichen Stellen mehrmals im Jahr. Manchmal gibt es auch Nachkontrollen oder Kontrollen, bei denen die Arbeit der Kontrollstellen kontrolliert wird. Das ist zwar zeitaufwendig und auch kostspielig, aber es muss wohl sein.

Ja! Natürlich: Und wie lange dauert nun die Ernte?

Josef Fleischhacker: Wir ernten von ca. Mitte August bis Anfang Oktober.

Ja! Natürlich: Was ist bei der Ernte besonders wichtig?

Josef Fleischhacker: Die Kürbisse werden zwischen 800 g und 1,2 kg geerntet, dafür habe ich schon ein Auge. Sie werden nur abgebürstet, so bleiben sie am besten haltbar. So kommen sie dann ins Geschäft. Ein Stück vom Stiel muss unbedingt am Kürbis bleiben, denn bricht dieser ab, kommt am Stielansatz das Fruchtfleisch zum Vorschein und der Kürbis verdirbt schneller.

Wir danken für die spannenden Einblicke und wünschen weiterhin eine erfolgreiche Ernte!

VIDEO: (Frühstückspension-Spezial zur Kürbisernte

Über Bio-BloggerIn Lisa93 Artikel

Feinspitz mit Experimentierfreude. Aufgewachsen in einer kulinarisch höchst affinen Familie mit eigenem Gemüsegarten, zudem ausgestattet mit einer ordentlichen Portion Neugierde und Furchtlosigkeit, waren Küchenexperimente seit jeher wesentlicher Bestandteil meines kreativen Lebens. Kochen ist für mich Leidenschaft und kreativer Ausgleich, niemals „Haushaltspflicht“. Je mehr man [...]

Kommentare (2)

Orisits Rudolf sagt

Kochen ist für mich eine Leidenschaft und kreativer ausgleich.

Lisa Vockenhuber sagt

Das ist schön :) viel Freude weiterhin!

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