Moosdorfer Haushuhn & Gockel: Von der Pionier-Idee zur „Branchenlösung“

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Was Ja! Natürlich mit dem Pionierprojekt „Eier mit Liebe gemacht“ begonnen hat, ist ab 2016 freiwilliger Standard für alle österreichischen Bio-Eierproduzenten. „Es leben die Gockel-Küken!“ heißt es dann ab 1.1.2016 für alle, die sich selbst dazuverpflichten, männliche Küken aufzuziehen und nicht – wie bislang üblich – nach dem Schlüpfen zu töten.

Damit die Initiative von Ja! Natürlich tatsächlich zu einer umfassenden Veränderung in der gesamten Bio-Branche („Branchenlösung“) führen konnte, waren viele Jahre an Forschung und Entwicklung, aber auch an Hartnäckigkeit und der Bereitschaft zum Scheitern notwendig.

1. Studienphase

Ja! Natürlich bekannte sich 2004 zur Richtlinie „Bio ohne Kompromisse“. Die Konsequenz für die Problematik der Haltung von Legehennen hieß deshalb: Stopp dem Töten von männlichen Eintagsküken!

2005 wurden erste vergleichende Kleinversuche im Bio-Stall gestartet, in denen 150 männliche Küken der gängigen Legerassen in unterschiedlichen Haltungsdauer und Schlachtungsetappen aufgezogen wurden. Die Erkenntnis der Unwirtschaftlichkeit leitete einen mehrjährigen, intensiven Nachdenkprozess ein.

2. Versuchs- und Praxisphase

Von 2011 bis 2015 fanden vergleichende Tests in Versuchsstallungen und anschließend auf Bio-Höfen statt. Dabei wurden sowohl Legehybriden als auch Zweinutzungsrassen getestet.

3. Freilandphase

2013 wurden erstmals Junghähne in mobilen Unterschlüpfen im niederösterreichischen Energiewald am Salmhof aufgezogen. Das Projekt wurde von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN begleitet. In 3 Durchgängen wurden die Tiere in artgemäßer Freilandhaltung gehalten und nach 15 bis 18 Wochen geschlachtet.  Zu diesem Zeitpunkt wurden in den Handelsfilialen erstmals Moosdorfer Gockel im Ganzen und „Hühnerwürstelmix“ angeboten. Parallel gingen die ersten „Eier mit Liebe gemacht“ in den Verkauf.

Ab 2016 werden die Gockel aufgezogen: Eigene Bio-Gockelbauern übernehmen die männlichen Küken aus der Brüterei, die zu Junggockeln im -Stall und mit Zugang zu Außenscharrräumen und Grünauslauf heranwachsen. 9 – 10 Wochen verbringen die Gockel am Bio-Bauernhof. Danach werden sie geschlachtet und wöchentlich als frische Mini-Gockel im Ganzen in den Handelsfilialen angeboten. Das Gockelfleisch wird ebenso zu Gockel-Würsteln verarbeitet.

So werden regelmäßig wöchentlich bei Merkur und ausgewählten Billa-Filialen Gockelprodukte angeboten.

4. Branchenlösung

Die Erkenntnisse der ersten Kreuzungen wurden weiterentwickelt und das Zweinutzungshuhn „Sandy“ gezüchtet. Ab 2016 verpflichten sich Bio-Betriebe aus freiwilliger Entscheidung zur Aufzucht männlicher Küken – nach dem Vorbild von Ja! Natürlich.

Bio-Info

Im VIDEO zeigen wir das Original-Schlüpfen der Moosdorfer Hennen und Gockeln in der Brüterei in Schlierbach.

Über Bio-BloggerIn Ulli132 Artikel

Bio-Bloggerin mit Herzblut. Die schönen Dinge des Lebens (Natur, Garten, Essen, Texten, Fotografieren) standen schon seit jeher auf meiner Lebensagenda. Wie schön, bei Ja! Natürlich gelandet zu sein, wo ich all die Bereiche, denen meine Leidenschaft gehört, umsetzen kann. Eine vielseitig spannende und interessante Herausforderung, die mir tagtäglich Einblicke in die anspruchsvolle [...]

Kommentare (11)

Lisa F sagt

Hallo! Kann es sein, dass in diesem Video keine "moosdorfer Hennen und Gockeln" sandy-Hennen schlüpfen? Wenn ja, warum werden legehybriden zur Züchtung verwendet? Das ist doch ein Hochleistungs- und kein zweinutzungshuhn!?!? Danke!

Lisa F sagt

Entschuldigung - ich meinte Hochleistungslegehühner. Danke und LG

Ulli Cecerle-Uitz sagt

Liebe Lisa. Bei unserem sogenannten Moosdorfer Pionierprojekt werden Hühner und Gockel aufgezogen. Das ist außergewöhnlich und neu, denn bei den spezialisierten Rassen werden entweder die Eier der Legehennen genutzt (die männlichen Küken werden nach dem Schlüpfen getötet) oder aber Hühner als Masthühner aufgezogen (hier wird das Fleisch und nicht die Eier genutzt). Dieses ENTWEDER ODER haben wir zu einem UND gemacht: Das Moosdorfer Huhn ist eine eigene Kreuzung - mittlerweile die Kreuzung "Sandy" - deren Eier der Legehennen UND das Fleisch der Gockel genutzt wird. Dass die Gockeln bei diesem Projekt nicht nach dem Schlüpfen getötet werden, sondern im Freiland leben bis zu Schlachtung, ist die Pionierleistung dieses Projekts. Gerne mehr zur mehrjährigen Entwicklung hier: http://blog.janatuerlich.at/blog-post/2015/12/14/moosdorfer-haushuhn-gockel-von-der-pionier-idee-zur-branchenloesung/ Liebe Grüße

Kurt Schmölzer sagt

wo bekommt man die mini - gockel in ober österreich ? niemand kennt sie in den Supermärkten....

Ulli Cecerle-Uitz/Ja! Natürlich sagt

Lieber Kurt Schmölzer,
unsere Bio-Gockel sind in allen Merkur Märkten und in ausgewählten Billa-Filialen erhältlich.
Die Liste der Filialen ist hier zu finden: https://magazin.janatuerlich.at/moosdorfer-pionierprojekt-fleisch-vom-gockel-die-neue-delikatesse/
Falls es weiterhin Probleme bei der Verfügbarkeit in den Handelsfilialen gibt, wende dich bitte direkt an unsere Service-Hotline info@janatuerlich.at
Viel Freude beim Genießen!

Ulli Cecerle-Uitz sagt

Lieber Kurt Schmölzer,
unsere Bio-Gockel sind in allen Merkur Märkten und in ausgewählten Billa-Filialen erhältlich.
Die Liste der Filialen ist hier zu finden: https://magazin.janatuerlich.at/moosdorfer-pionierprojekt-fleisch-vom-gockel-die-neue-delikatesse/
Falls es weiterhin Probleme bei der Verfügbarkeit in den Handelsfilialen gibt, wende dich bitte direkt an unsere Service-Hotline info@janatuerlich.at
Viel Freude beim Genießen!

Fam. Dr. Millesi sagt

Was meinen Sie in ihrem Artikel aus Ihrer Sicht mit dem Begriff "Zweinutzungshuhn"? Wir sind seit Jahren treue Kunden, die sich (bisher) fast ausschliesslich von ja-natürlich Produkten ernährt haben und haben vorgestern entdeckt, dass die bioeier von einem designedem "Huhn?" gelegt bzw. als Bioeier gekennzeichnet verkauft werden. Sandy ist nach unserer Recherche ein Hybride, ein designes Huhn von einem Konzern!! namens LOHMANN, der global den Markt beherrscht und die armen Küken um den Erdball schickt!! mit Bioeiern hat dies in unser aller Augen nichts mehr zu tun! Nach 2 tägiger Recherche haben wir festgestellt, dass es viele Ungereimtheiten gibt und nichts so ist wie es dargestellt wird. Wir sind schwer ent-täuscht und entsetzt. Aber: Eben! Wir sind nicht mehr getäuscht, das hat ja auch sein Gutes. So werden wir uns morgen schon umsehen nach einem Kleinbauern, der echte Bioeier mit "echten Hühnern hat und diese Informationen, wenn notwendig, auch all unseren Freunden und Bekannten weitergeben! Wir leben am Land, da ist das möglich. Echte Bioeiern von "echten Hühnern, die nicht in riesigen Lagerhallen gezüchtet und dann in aller Welt umhergekarrt werden. Wenn dies nicht möglich ist, dann ist es auch kein Problem für uns, auf Eier zu verzichten. So etwas wollen wir nicht unterstützen. Wir haben bis dato seit mehr als 10 jahren täglich fast nichts anderes als ja-natürlich-Produkte im vollen Vertrauen konsumiert. Jeden Monat hunderte Euros für ja-Produkte ausgegeben!!! Unser Vertrauen ist jedoch wie gesagt erschüttert und wir freuen uns auf Ihre Stellungnahme, um dann zu überlegen, was und wie und wo und letztendlich WEM wir in Zukunft unser gutes Geld zukommen lassen wollen als Konsumenten . Vielen Dank im Vorraus, im Namen von Fam. Ing. Faast und Freundeskreis

Ulli Cecerle-Uitz/Ja! Natürlich sagt

Liebe Fam. Dr. Millesi.
Seit mehreren Jahr kooperieren wir als Bio-Marke mit der unabhängigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN, um die Bio-Nutztierhaltung nachhaltig zu verbessern. Das Projekt "Haushuhn & Gockelhahn" widmet sich der Kernproblematik bei der Eierproduktion, den männlichen Küken, die nach dem Schlüpfen getötet werden: Im Zentrum steht die Rückbesinnung auf das, was früher schon für gut befunden wurde und bewährt war: Henne und Hahn groß zu ziehen und zu nutzen.

Ja! Natürlich verwendet dabei eine spezielle Kreuzung - einen Hybriden, die alle Eigenschaften eines Zweinutzungshuhn aufweist. Die Hennen des Moosdorfer Haushuhns legen die Eier, die Gockel werden aufgezogen und schonend gemästet.

Ja! Natürlich setzt immer wieder richtungsweisende Maßnahmen, die das Tierwohl in Österreich nachhaltig verbessern. Das Ergebnis sind Produkte, die mit gutem Gewissen gekauft werden können und österreichische Bio-Bauern in ihrem Bestand fördern. Auch unsere „Eier mit Liebe gemacht“ vom Moosdorfer Haushuhn sind das Ergebnis eines langjährig entwickelten Pionierprojekts.

In Fachkreisen ist unbestritten, dass dieses Projekt, das zu einer österreichweiten Branchenlösung in Bio-Bereich geführt hat, weit über unsere Landesgrenzen hinaus beispielgebend ist.

fam. m. sagt

danke für ihre rasche antwort.....
unsere fragen sind, so haben wir festgestellt, nicht verstanden worden. die antwort lehnt sich an die entwickelte und notwendige?marktstrategie an..
wie bitte kommen sie zu dem begriff moosdorfer haushuhn, was hat die hybride sandy, die bioeier (?) legt mit diesem begriff gemeinsam?? das ist KEIN moosdorfer haushuhn !!!! es gibt kein moosdorfer haushuhn. ist der begriff gekauft? in der heutigen welt, so scheint es führt sich alles nur mehr ad absurdum... meine familie und unser freundeskreis werden unter anderem dieses thema besprechen und es ist nach vielen erlebnissen, neuen erfahrungen und vor allem erkenntnissen zeit, ernährungstechnisch einen völlig neuen weg einzuschlagen..vielen dank für ihre aufrichtigkeit und alles gute, familie m. und freunde

Ulli Cecerle-Uitz/Ja! Natürlich sagt

Beim Projekt „Moosdorfer Haushuhn & Gockelhahn“ ist für uns ausschlaggebend: Die Verbesserung der Hühner-Nutztierhaltung in der biologischen Landwirtschaft, mit einem europaweit einzigartigen Projekt.
Dieses erste Projekt, das in seiner Größe und Umsetzung bislang einzigartig in Europa ist, widmet sich einer Kernproblematik bei der Eierproduktion, den männlichen Küken.

Beim „Moosdorfer Haushuhn und Gockelhahn“ handelt es sich also um einen anfänglichen Pilotversuch, der mittlerweile als Projekt für mehr Tierwohl als beispielgebend für die gesamte Bio-Branche gilt. Wir haben gemeinsam mit den VIER PFOTEN viel Arbeit, Zeit und Know-how in dieses Projekt gesteckt. Dank dieses Projekts gibt es nun erstmals in Österreich in größerer Menge Eier von Hühnern auf dem Markt, deren männliche Brüder unter erstklassigen Mastbedingungen weiterleben durften. Dabei handelt es sich wie schon erwähnt um eine Kreuzung. Und um die Eier zu vermarkten, haben wir den Namen „Moosdorfer“ entwickelt. Schließlich kann ein derartiges Projekt nur dann erfolgreich genannt werden, wenn es von den KonsumentInnen auch angenommen und verstanden wird.

Ulli Cecerle-Uitz/Ja! Natürlich sagt

Liebe Fam. Dr. Milessi.
Ergänzend gerne auch noch unsere Stellungnahme zum "Lohmann-Hihn", die wir Ihnen per Mail zukommen ließen - hier für alle anderen Interessierten zum Nachlesen:

Seit Beginn dieses Jahres stammen bei Ja! Natürlich alle neu eingestallten Junghennen nur mehr von Elterntieren ab, die auch in österreichischen Bio-Betrieben großgezogen wurden. Sowohl die Bio-Legehennenbetriebe als auch die Bio-Junghennenbetriebe, wo die Legehennen groß gezogen werden, befinden sich in Österreich. Die Eier, aus denen diese Junghennen schlüpfen, stammen wiederum von Bio-Elterntierherden in Oberösterreich. Alle Betriebe unterliegen der Zertifizierung durch eine unabhängige österreichische Kontrollstelle und müssen die Anforderungen der biologischen Produktion erfüllen.

So wie in der Vergangenheit, werden bei den Elterntierbetrieben Zuchttiere (entspricht der Großelterngeneration!) stammend von der Fa. Lohmann (DE) eingesetzt. Waren es in der Vergangenheit ausschließlich Tiere der Zuchtlinie Lohmann Brown, so haben wir jetzt auf eine vitalere Zuchtlinie Lohmann Sandy umgestellt (Anm.: Dies war die Entscheidung der Bio-Bauern selbst!), wo sich die Hennen durch ihre Vitalität und Fitness sehr gut für die Bedingungen der Freilandhaltung eignen. Andere Zuchtlinien werden in österreichischen Bio-Elterntierbetrieben nicht gehalten.

An dieser Stelle ist zu berücksichtigen, dass alle in Österreich gängigen Legehennen in irgendeiner Form von einer Zuchtlinie oder ursprünglich von einer Zuchtfirma abstammen. Das trifft auch auf die meisten Kleinbauern und Hobbyhühnerhalter zu. Selbst sogenannte „alte Hühnerrassen“ wurden über Jahrhunderte und noch heute durch kleinere und größere Züchter weitergezüchtet und entsprechen im Grunde einer langjährigen Zuchtform des Bankivahuhns (ursprüngliches asiatisches Wildhuhn).

Die Wahl der entsprechenden Zuchtlinie stellt nur einen Teilaspekt in der biologischen Freilandhaltung von Legehennen beziehungsweise der Produktion von Bio-Eiern dar. In zahlreichen gemeinsamen Projekten mit Bio-Bauern, Vertretern der Landwirtschaft sowie Experten aus Wissenschaft und Tierschutz wurden die Haltungsbedingungen (z.B. bessere Strukturierung der Grünausläufe durch Bepflanzungen) der Legehennen sukzessive verbessert. Andere Schwerpunkte widmen sich der biologischen Fütterung, der Hygiene und der Rückverfolgbarkeit. Nicht zuletzt wurde aus dem Ja! Natürlich Pionierprojekt rund um die Aufzucht der männlichen Küken (Nutzung von Eiern und Fleisch) eine Branchenlösung für ganz Österreich.

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