Reis von Bio-Bauern Erwin Unger aus der Nationalpark-Gemeinde Wallern

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Pioniere lassen nicht locker und sich erst recht nicht von Rückschlägen entmutigen. Einer dieser Innovationsgeister – die dann zufrieden sind, wenn sie das erreichen, was sie sich in den Kopf gesetzt haben – ist Erwin Unger. Bio-Bauer mit Leib und Seele seit über 20 Jahren, ist zu recht stolz auf das, was er diesmal erreicht hat: So ist er mit seinem „Nachbarn“, Bio-Bauern Erich Leyrer, der erste Pionier, der in unseren Breitengraden Reis anbaut. In höchster Bio-Qualität, versteht sich. Das Wissen rundum Reispflanzen und Anbau hat er sich in einer Kombination aus Theorie und Praxis angeeignet – Fachliteratur einerseits und seine langjährige Erfahrung im Pflanzenbau andererseits unterstützten das Projekt.

Wie die Idee entstand, den „nördlichsten Reis“ der Welt anzubauen, warum die erste Packung „Seewinkler Bio-Reis“ 4 Jahre Vorlaufzeit in Anspruch nahm und sich die Nationalparkregion Neusiedler See-Seewinkel besonders als Anbaugebiet eignet, erzählt Erwin Unger im Interview:

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Ja! Natürlich: Wie kamen Sie als burgenländischer Bio-Bauer auf die Idee, in der pannonischen Klimazone der Nationalparkregion Neusiedler See-Seewinkel Reis anzubauen?

Erwin Unger: Nachdem im Jahr 1864 im ausgetrockneten Neusiedler-Seebett mit mehr oder weniger Erfolg Reis angebaut wurde, habe ich mich vor 4 Jahren dazu entschlossen, Reisanbauversuche – natürlich in biologischer Wirtschaftsweise – zu starten. Mit dem heurigen Jahr bewirtschafteten wir eine Fläche von ca. 2 ha mit Bio-Reis. Das war bis jetzt die größte Versuchsanbaufläche, um auch in dieser Dimension Erfahrungswerte sammeln können.

Ja! Natürlich: Welche Rolle spielt für Sie die Bio-Marke Ja! Natürlich in der Entwicklung eines derartig „exotischen“ Projekts?

Erwin Unger: Die Suche nach regionalen Produkten mit nachvollziehbarer Nachhaltigkeit konnte ich mit der Bio-Marke Ja! Natürlich vereinen, da diese meinen Vorstellungen entspricht.

Durch meine jahrzehntelange Berufserfahrung in der Pflanzenphysiologie, habe ich die besten Voraussetzungen, auch exotisch Produkte bis ins Finale zu kultivieren.

Ja! Natürlich: Welche Herausforderungen ergeben sich für den burgenländischen Reisanbau, der seinen Ursprung ja vorwiegend in Asien oder zumindest in südeuropäischen Regionen wie Italien hat?

Erwin Unger: Die Herausforderung besteht darin, die Kulturführung zu kreieren und in weiter Folge zu optimieren, da die klimatischen Voraussetzungen passen – wie die Erfahrungswerte gezeigt haben.

Ja! Natürlich: Reiskenner wissen, es gibt viele Qualitätsstufen, Farben und Sorten von Reis. Welche Sorten bauen Sie an?

Erwin Unger: Zur Zeit baue ich 2 Reissorten an – das sind der „Schwarze Seewinkler“ und der „Rote Seewinkler“ Bio-Reis. Der schwarze Reis hat seinen Ursprung in China, der rote in Indien. Beide sind Vollkornreissorten.

Anmerkung: 2017 gibt es weißen und schwarzen Seewinkler Bio-Reis von Ja! Natürlich.

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Ja! Natürlich: Wie wird der Reis nach der Ernte verarbeitet?

Erwin Unger: Nach Einbringung der Ernte wird der Reis mit einer Spezialmaschine von den Spelzen befreit und verpackungsfertig gemacht.

Ja! Natürlich: Seewinkler Bio-Reis wird im Trockenanbau kultiviert, was weitaus aufwändiger ist als die Methode, die Felder mit Wasser zu fluten. Gedeiht der Reis, trotzdem Sie dadurch mit größerem Schädlingsaufkommen zu rechnen haben?

Erwin Unger: Der Reis muss natürlich ausreichend bewässert werden. Im Gegensatz zur Nasskultur werden bei meiner Kulturführung keine Fäulnisbakterien erzeugt, die dann große Mengen an Methangasen ausscheiden, was in Zeiten des Klimawandels sehr zu begrüßen ist.

Ja! Natürlich: Mit welchen Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten haben Sie als Reisbauer im Trockenanbau zu kämpfen? Und welche Mittel dürfen Sie nach den strengen biologischen Richtlinien – kein Einsatz von chemisch-synthetischen Spritzmitteln, keine künstlichen Dünger – dagegen anwenden?

Erwin Unger: Bis jetzt konnten wir nur ein geringes Schädlingsaufkommen beobachten, das keinen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit der Pflanzen und auf die Erträge nimmt.

Ja! Natürlich: Was macht den Geschmack Ihrer Reissorten aus? Welche Faktoren im Anbau haben Einfluss auf den Geschmack und eine erfolgreiche Ernte?

Erwin Unger: Das pannonische Klima mit seinen vielen Sonnenstunden und der Wind sorgen für die gute Befruchtung der Reisrispen. Sehr wichtig für eine erfolgreiche Kultivierung unserer Bio-Reissorten sind die Bodenbeschaffenheit und die zeitgerechten und richtigen Kulturmaßnahmen. Je besser diese Faktoren harmonieren, umso besser und voller wird der Geschmack von Bio-Reis und seine Qualität.

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Ja! Natürlich: Wie sieht der saisonale Kreislauf für den Reisanbau aus?

Erwin Unger: Im zeitigen Frühjahr werden die Bio-Reissetzlinge in Behältnissen herangezogen und im Mai ins Freiland ausgesetzt. Nach mehrmonatiger Kultur durch den Sommer hindurch und mehrmaliger Bewässerung kommt es je nach Sorte im Herbst zur Ernte. Nach Trocknung und Entspelzung ist der Bio-Reis im vermarktungsfähig.

Ja! Natürlich: Herr Unger, wir danken für das Gespräch.

Über Bio-BloggerIn Ulli132 Artikel

Bio-Bloggerin mit Herzblut. Die schönen Dinge des Lebens (Natur, Garten, Essen, Texten, Fotografieren) standen schon seit jeher auf meiner Lebensagenda. Wie schön, bei Ja! Natürlich gelandet zu sein, wo ich all die Bereiche, denen meine Leidenschaft gehört, umsetzen kann. Eine vielseitig spannende und interessante Herausforderung, die mir tagtäglich Einblicke in die anspruchsvolle [...]

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