Spargelanbau im Marchfeld: Das richtige Bauchgefühl

Weiterlesen

Erst war es ein Bauchgefühl, dann eine vage Idee und schließlich eine unumgängliche Maßnahme, die Markus Brandenstein zur Umstellung auf biologische Landwirtschaft führte. Heuer, zur 32. Spargelernte blickt er zurück und ist zufrieden, sich gegen schnelle Spitzenerträge, dafür aber für Nachhaltigkeit, höchste Qualität und gesunde Böden entschieden zu haben. „Wir müssen unsere Böden fruchtbar halten, dann können wir uns auch zukünftig von ihnen ernähren“, ist sein Credo. Und das gibt er auch an seine beiden Söhne weiter.

Auf den Feldern rund um den historischen Gutshof bei Marchegg kultiviert Markus mit seiner Familie seit 1990 Bio-Spargel bester Qualität. Was sich einfach anhört, erfordert jede Menge körperliche Arbeit, Geduld, Geschick und Feinfühligkeit. Denn das Königsgemüse, wie Markus es nennt, ist sehr empfindlich und fordert dem Landwirt vor allem während der Erntezeit viel ab. Von Mitte April bis Mitte Juni wird auf dem Markhof beinahe täglich Spargel gestochen, denn an optimalen Sonnentagen kann es schon mal vorkommen, dass der Spargel 10cm wächst – an einem Tag.

Markus liebt die hohen Anforderungen, die dieses Produkt an ihn als Landwirt stellt – sie sind es schließlich, die sein Interesse am Spargel überhaupt geweckt haben. Und nie würde er seinen Beruf gegen einen anderen eintauschen: Viel zu sehr schätzt er das eigenständige Arbeiten, die Nähe zur Natur, den Rhythmus den sie vorgibt. Die biologische Landwirtschaft ist für Familie Brandenstein mehr als ein Beruf. Es ist ihre Berufung, Ausdruck ihrer Haltung dem Leben und der Umwelt gegenüber.

Fortschritt folgt nach dem ersten Schritt

Im Gegensatz zu vielen Bauern in der Umgebung wurde Markus der Spargel nicht mit in die Wiege gelegt. Er entschied sich selbst dafür, und was mit einem halben Hektar Spargelfeld begann, entwickelte sich zu einer wahren Erfolgsgeschichte. Vor einigen Jahren war der Spargel in Österreich noch eine Rarität, und anfänglich gestaltete sich der Verkauf etwas schwierig. Doch schon bald fand der Spargel seine Liebhaber – auch in der Spitzengastronomie, wo man dieses hochwertige Gemüse rasch schätzen lernte.

Schon vor langer Zeit, zu Zeiten Maria Theresias, wurde im Marchfeld Spargel angebaut, wenn auch nur für die gehobene Aristokratie. Dieser Anbautradition folgend, wurde später gemeinsam mit anderen Spargelbauern hart daran gearbeitet, die Qualität auf ein neues Niveau zu heben. Und schon bald hatte der Marchfelder Spargel seine internationalen Kollegen in qualitativer Hinsicht abgehängt. Dazu tragen natürlich auch das pannonische Klima und die leichten, humushaltigen Sandböden im Marchfeld bei, das einfach die optimalen Rahmenbedingungen für hochwertigen Bio-Spargel bietet.

Aus Bauernhand

„Aus Bauernhand“ ist ein Projekt, in dem wir mit unseren interessierten Gästen regionale Bio-Bauern besuchen, mit ihnen kochen, genießen und Einblick in ihre Arbeit und Leidenschaft nehmen dürfen.

Der alte Gutshof war einst im Besitz der Familie Mautner-Markhof und früher einer der größten privat geführten Rennställe der Monarchie. Heute findet man in den geschichtsträchtigen Mauern alles, was man für die Landwirtschaft benötigt. Außerdem gibt es einen Verkaufsraum und ein eigenes Gebäude für das Säubern und Sortieren des geernteten Spargels.

Das Königsgemüse wird von Anfang an königlich umsorgt: Nach dem Setzen der einjährigen Wurzelstöcke haben die Pflanzen zwei Jahre Zeit zu reifen und Kraft zu sammeln. Dann erst wird der erste Spargel geerntet.

Diese beiden Jahre sind besonders wichtig, um für die nächsten acht bis zehn Jahre einen gesunden Wurzelstock zu haben, der ausschlaggebend ist für Ertrag und Qualität des Produkts. Im ersten Frühjahr nach dieser Reifezeit werden schließlich Dämme gezogen, damit der Spargel die richtige Länge erhält und die Triebe nicht ans Tageslicht kommen. Ansonsten würde sich vor allem der „Bleichspargel“ genannte weiße Spargel rötlich verfärben, was bei den edlen Spargelstangen nicht erwünscht ist. Sobald die Bodentemperatur 12 bis 15°C erreicht, beginnt der Spargel stark zu wachsen. Deshalb ist es in der Erntezeit auch unumgänglich jeden Tag Spargel zu stechen. Das Stechen selbst erfolgt dann durch reine Handarbeit und erfordert viel Können und Geschick, es ist in vielerlei Hinsicht eine „eigene Kunst“. Behutsam wird der Spargel unter der Erde freigelegt und mit dem Spargelmesser vorsichtig aus dem Wurzelstock gestochen, damit keine umliegenden Triebe verletzt werden. Anschließend wird das Loch mit einer Kelle wieder sorgfältig geschlossen. Die noch erdigen Spargelstangen werden dann zurück zum Hof gebracht, gewaschen und abgekühlt, damit sie bei hohen Temperaturen nicht weiterwachsen. Und nach der Sortierung ist der Spargel dann auch schon unterwegs auf unsere Teller.

„Ich wollte etwas Sinnvolles machen“, sagt Markus heute über seine Vision von damals, und wer in den aromatischen, zarten Spargel hineinbeißt weiß: Es ist ihm geglückt.

Markus Brandenstein
Über Bio-BloggerIn Meli15 Artikel

Ich war eines der glücklichen Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen durften und kostete in der kleinen Dorfbäckerei meiner Großeltern das kulinarische Leben am Land vollends aus. Nach einigen Jahren in Wien habe ich allerdings erst gelernt, wie wertvoll diese Erfahrungen sind und wie wichtig die Natur, das Handwerk und der unstillbare Hunger nach höchster Qualität für mich, meine [...]

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar verfassen

Absenden

* erforderlich (E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht)