Interview mit dem Waldviertler Bio-Freilandschweine-Bauer Andreas Krippel

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Vor beinahe 15 Jahren hat Ja! Natürlich zusammen mit einigen engagierten Bio-Bauern das Freilandschweine-Projekt ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es 13 Bio-Bauernhöfe im Waldviertel, die Schweine halten, die das ganze Jahr über im Freien leben. Für Bio-Bauern Andreas Krippel aus Röhrenbach sind vor allem Wetterextreme und starke Niederschläge in Frühjahr und Herbst die größten Herausforderungen. Bei Regen oder Schnee gestaltet sich schließlich der Gebrauch von diversen Gerätschaften schwierig, um auf das Feld und wieder heraus zu kommen.

"Es gibt nur eine vernünftige Lösung für eine unbelastete Umwelt und die Gesundheit unserer Kinder: Bio! Daher bin ich Bio-Landwirt mit Leib und Seele. Bio bedeutet für mich „Leben – im Einklang mit der Natur“. "

Während längeren Nebelphasen und bewölkten, trüben Tagen kann es auch zu Stromausfällen und Problemen mit der Stromversorgung kommen. Außerdem muss Andreas Krippel den Weidezaun regelmäßig ausmähen und kontrollieren. Im Winter besteht die Gefahr, dass das Wasser gefriert. Und wenn die Ferkel auf die Weide kommen, müssen sie sich erst an ihren neuen Lebensraum gewöhnen – in dieser Phase brauchen die jungen Tiere besonders viel Betreuung und Beobachtung.

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Ja! Natürlich: Welche Motivation steckt hinter Ihrer anspruchsvollen Arbeit?

Andreas Krippel: Ich bin überzeugter Bio-Landwirt und halte meine Tiere artgerecht und nach biologischen Prinzipien. Meine gesunden Tiere bestätigen mir immer wieder, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Natürlich bedeutet die Freilandschweinehaltung auch ein zusätzliches Betriebseinkommen für uns – wir versuchen auch Perspektiven für unsere Kinder zu schaffen.

Ja! Natürlich: Was ist die Geschichte hinter Ihrem Hof?

Andreas Krippel: Wir waren bis 2001 konventionell und hielten Maststiere auf Lochboden. Ab 2001 kam dann die Umstellung auf Bio. Der Betrieb war dann viehlos und seit 2005 haben wir die Waldviertler Bio-Freilandschweine.

Ja! Natürlich: Wie sieht Ihr täglicher Arbeitsablauf aus?

Andreas Krippel: Am frühen Vormittag raus auf die Weide zu den Tieren und alles kontrollieren: Stromversorgung, Hütten, Wasserversorgung, Stand der Futterautomaten, Schweine beobachten, ab und zu den Zaun ausmähen, Suhlen schaffen.

Ja! Natürlich: Wie können wir uns ein Freiland-Schweineleben während des ganzen Jahres über vorstellen?

Andreas Krippel: Freilandschweine fühlen sich „sauwohl“. Denn sie haben reichlich Auslauf und sind den natürlichen Elementen ausgesetzt wie Sonne, Regen und Schnee. Sie fressen Grünmasse (Gräser, Klee und Kräuter) und Schrot – nach eigenem Bedürfnis. Und sie können sich suhlen, wühlen, bei Kälte Schutz in ihren Hütten und bei Hitze unter Schattenflächen suchen.

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Ja! Natürlich: Als Bio-Bauer müssen Sie den internen Kreislauf in der Bewirtschaftung der Wiesen und Getreidefelder für Futtermittel nützen. Selbstverständlich ohne künstlichen Dünger und ohne chemisch-synthetische Spritzmittel. Wie sieht dieser Kreislauf bei Ihnen aus?

Andreas Krippel: Wir produzieren selbst die Futtermittel für die Freilandschweine wie Gerste, Triticale und Ackerbohnen. Hafer und Weizen liefern wir übrigens an Ja! Natürlich. Die Schweine leben auf Feldern mit Leguminosen wie Klee und Luzernen. Sie weiden die Pflanzen ab und hinterlassen ihren wertvollen Dünger. Dann wird auf diesen Feldern in Kreislaufwirtschaft wieder Weizen oder Gerste angebaut. Ca. alle 5 Jahre kommen die Schweine auf dasselbe Feld.

Ja! Natürlich: Wie verbringen die Tiere ihren Tag?

Andreas Krippel: Nachdem sie aufgewacht sind, beschäftigen sie sich mit Saufen, Fressen, Wühlen, Suhlen und Herumlaufen.  In den Vegetationsmonaten sind sie deutlich aktiver. Im Winter wühlen sie gerne im Schnee und an windigen Tagen sind sie mehr in den Hütten – sie vertragen die Kälte allerdings sehr gut.

Ja! Natürlich: Was fressen die Freilandschweine in der Natur, wie viel und welches Futter brauchen sie zusätzlich?

Andreas Krippel: Auf der Weide finden sie Klee oder Luzerne, Beikräuter, Insekten, Regenwürmer und Erde. Die Schweine sind schließlich „Allesfresser“. In den Futterautomaten finden sie Gerste, Triticale, Pferdebohnen und Mineralstoffe. Ein Freilandschwein frisst übrigens ca. 400 kg während seines Lebens.

Ja! Natürlich: Sind Tiere in artgemäßer Bio-Haltung durch mehr Bewegung an frischer Luft, in Sonnenlicht und durch Bio-Futter gesünder als ihre konventionellen Artgenossen?

Andreas Krippel: Ja, meine Tiere sind gesünder, wachsen langsamer, haben mehr Auslauf – also mehr Bewegung – und brauchen mehr Futter. Tierarzt brauchen wir so gut wie keinen.

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Ja! Natürlich: Was sind die Vorteile für Sie, mit Österreichs größter Bio-Marke zusammenzuarbeiten?

Andreas Krippel: Wir arbeiten seit 2005 mit Ja! Natürlich zusammen. Dabei profitieren wir von geregeltem, sicherem, kontinuierlichem Absatz.

Ja! Natürlich: Welche Kontrollen überprüfen die strengen Bio-Richtlinien und die Gesundheit der Freilandschweine?

Andreas Krippel: Wir werden kontrolliert von Ja! Natürlich, Vier Pfoten, BOKU Wien, Bio-Kontrolle SGS, Bio-Austria und dem Amtstierarzt.

Ja! Natürlich: Was hält Schweine-Bauern Ihrer Meinung nach ab, sich dem Beispiel des Freilandschweine-Projekts anzuschließen?

Andreas Krippel: Viel Arbeit, Angst vor Konzernen, althergebrachte Denkweisen, Ideologie, mangelnder Mut zur Veränderung und Umbau und die fehlende Grundstücksgröße.

Ja! Natürlich: Durch welche Argumente würden Sie einen konventionellen Bauern von biologischer Tierhaltung überzeugen?

Andreas Krippel: 1. Argument: Tierwohl, das es sich rechnet, 2. Argument: Steigende Nachfrage bei BIO-Produkten, 3. Argument: Bio-Branche ist im Aufstieg.

Ja! Natürlich: Was schätzen Fleisch-Gourmets besonders am Fleisch der Freilandschweine?

Andreas Krippel: Da die Schweine ja um einiges mehr Bewegung haben, ist ihr Fleisch fester, läuft beim Braten nicht so zusammen und man hat weniger Saftverlust bei der Zubereitung. Vor allem Geschmack und Duft sind um einiges besser als bei konventionellem Fleisch – vor allem stört kein Ammoniakgeruch! Konventionelle Schweine stehen und liegen schließlich ihr Leben lang im eigenen Dreck.

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Ja! Natürlich: Wie wird den Freilandschweinen beim Transport zum Schlachthof Stress erspart?

Andreas Krippel: Der Lebendtiertransport ist so kurz und stressfrei wie nur möglich. Unser kürzester Transportweg zum Bio-Schlachthof beträgt nur ca. 15 km (Anm. Ja! Natürlich: Regionale Schlachtung als Richtlinie!). Die Tiere haben nach dem Transport Zeit, um sich zu beruhigen.

Ja! Natürlich: Welche Zukunftsaussichten hat die biologische Landwirtschaft Ihrer Einschätzung nach?

Andreas Krippel: Sehr gute! Da eine immer bessere Aufklärung in den Medien stattfindet und Missstände in der Tierhaltung aufgezeigt werden, denkt die Gesellschaft um. Denn die Bilder von kranken, leidenden Tieren bekommt man nicht so leicht aus dem Kopf wie ein paar Zeilen, die man irgendwo liest.

Ja! Natürlich: Was macht Ihre persönliche Leidenschaft für biologische Landwirtschaft aus?

Andreas Krippel: Kein Gift, keine vorbeugenden Antibiotika, keine Gentechnik – und trotzdem oder gerade deswegen erzeuge ich gute Produkte!

Ja! Natürlich: Vielen Dank für das Gespräch – und einen möglichst milden Winter!

Über Bio-BloggerIn Ulli107 Artikel

Bio-Bloggerin mit Herzblut. Die schönen Dinge des Lebens (Natur, Garten, Essen, Texten, Fotografieren) standen schon seit jeher auf meiner Lebensagenda. Wie schön, bei Ja! Natürlich gelandet zu sein, wo ich all die Bereiche, denen meine Leidenschaft gehört, umsetzen kann. Eine vielseitig spannende und interessante Herausforderung, die mir tagtäglich Einblicke in die anspruchsvolle [...]

Kommentare (1)

Brunnbauer Johannes & Uschi sagt

Hallo
Wir sollen sich ernähren im Umkreis von 100 km Ausgangspunkt haben wir Oberlaa 1100 Wien.Wir sind einer der 3 Kanditaten die beim "essperiment" von ORF 2 Konkret ausgestrahlt wird es immer in jeden Monat in der ersten Woche von Mo-Di und Donnerstag 18,30-19 Uhr.Nun haben wir ein Problem es steht nirgens geschrieben von welchen Ort die Butter herkommt. Und zwar die Waldviertler BIO BUTTER.Verarbeitet wird diese in Niederösterreich das past .Aber von welchen Ort kommt diese.Wir hoffen Sie können und da weiterhelfen.
Recht herzlichen Dank für Ihr Retourmail

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