Soja – besser oder schlechter als sein Ruf?

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Es werden Loblieder auf sie gesungen, schwere Vorwürfe gegen die Praktiken ihres Anbaus erhoben und die sinnvollsten Wege ihrer Nutzung diskutiert – die Sojabohne liefert reichlich Gesprächsstoff. Bei der Suche nach Antworten hilft es, die richtigen Fragen zu stellen.

In Asien hat Soja eine jahrtausendelange Tradition, seit dem Vegan-Trend ist die Bohne in Form von Tofu und Sojadrinks auch hierzulande in aller Munde. Kultiviert wird sie in Österreich aber schon wesentlich länger. Professor Friedrich Haberlandt, damals Direktor der Universität für Bodenkultur, führte bereits 1875 erste Anbauversuche der Nutzpflanze durch und ebnete ihr damit den Weg in die westliche Welt. Seine Forschungsergebnisse wurden zur Grundlage für die Sojazucht in den USA, die heute vor Brasilien und Argentinien der größte Erzeuger weltweit sind. In Österreich wächst Soja vor allem in den klassischen Maisregionen mit mildem Klima wie dem Burgenland, Ober- und Niederösterreich. Rund 67.000 Hektar Ackerfläche werden dafür genutzt, Tendenz steigend. Die Sojapflanze ist in vieler Hinsicht ein Naturwunder – sie bringt von allen Hülsenfrüchten den höchsten Eiweißgehalt mit, kann ihren Bedarf an Stickstoff zu einem großen Teil selbst decken, braucht wenig Dünger und fördert auf natürlichem Wege die Bodengesundheit. Daher ist sie gerade für viele unserer Bio-Bauern so wertvoll, die ohne chemisch-synthetische Spritz und Düngemittel arbeiten und auch Tieren nur heimisches Bio-Futter füttern. Gleichzeitig wird Soja als genmanipulierter Klimakiller gehandelt, für dessen Anbau Regenwälder und Lebensräume zerstört werden. Du siehst, die Sache mit Soja ist kompliziert und die Frage nach Gut und Böse lässt sich nicht einfach beantworten.

3 Fragen, die du statt „Gut oder böse?“ stellen solltest

Wie wird Soja angebaut? – Fruchtfolge vs. intensive, einseitige Landwirtschaft

Ihre Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft zu binden und den Boden mit Humus anzureichern macht die Sojapflanze ökologisch wertvoll. Im Rahmen wechselnder Fruchtfolgen, wie sie vor allem von Bio-Bäuerinnen und -Bauern praktiziert werden, nährt sie den Boden und bereitet ihn für die anschließend angebauten Pflanzen auf. Wird Soja jedoch in intensiver Landwirtschaft auf den immer gleichen Feldern angebaut, sind ausgelaugte Böden und zunehmende Bodenerosion die Folge. Auf diese Weise kultivierte Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten und weniger widerstandsfähig gegen Schädlinge, weshalb sie verstärkt mit Pestiziden behandelt werden. Diese machen auch vor Nützlingen nicht Halt und gefährden die Artenvielfalt. In Österreich werden derzeit rund 28 % der Soja-Anbauflächen biologisch bewirtschaftet, damit sind wir neben Frankreich und Italien Spitzenreiter in Europa.

Woher kommt Soja? – Österreichischer Bio-Anbau vs. Import-Soja

Um Platz für Soja-Monokulturen zu schaffen, werden in Südamerika Waldflächen abgeholzt und wertvoller Regenwald gerodet – mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung vor Ort und das Weltklima. Während die EU den Anbau von gentechnisch verändertem Soja verbietet, wird in den Hauptanbauländern der Großteil des Saatgutes gentechnisch verändert. Dieses GVO-Soja wird als billiges Tierfuttermittel aus dem Ausland importiert und ist deutlich billiger als regionale eiweißreiche Futtermittel. Auch Österreich importiert jährlich rd. 500.000 Tonnen Sojaschrot, der Großteil davon gentechnisch verändert. Das an Tiere verfütterte gentechnisch veränderte Soja muss auf den Verpackungen der Produkte nicht ausgewiesen werden. Lediglich bei Bio-Produkten ist garantiert, dass diese gentechnikfrei hergestellt wurden, wobei auch GVO-Futtermittel verboten sind und streng kontrolliert werden.

Wofür wird Soja genutzt? – Lebensmittel vs. Futtermittel

Soja zählt zu den effizientesten landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Die Hülsenfrucht liefert auf einem Hektar Ackerland doppelt so viel verwertbares Eiweiß wie ihre Artgenossen. Nun landen die Hälfte der österreichischen und 90 Prozent der weltweiten Sojaernte aber nicht als Bohnen, Tofu und Co auf unseren Tellern, sondern als Sojaschrot in der Tiermast. Dabei ist die Eiweißumwandlung von Futter in ein tierisches Lebensmittel alles andere als effizient. So lassen sich aus derselben Menge Soja 14 Portionen Tofu, aber nur eine Portion Rindfleisch und rund zwei Portionen Schweinefleisch herstellen. Und Soja kann noch mehr als zu Fleischersatzprodukten verarbeitet werden: aus der vielseitigen Hülsenfrucht werden hochwertige Sojadrinks, cremiges Sojajoghurt und -puddings hergestellt, sie wird zu Sojasauce gebraut, zu würziger Misopaste fermentiert und zu Sojaöl gepresst.

Sojaöl aus österreichischer Bio-Landwirtschaft

Das Ja! Natürlich Sojaöl wird aus 100 % österreichischen Bio-Sojabohnen gepresst. Aufgrund seines eher neutralen Geschmacks ist Sojaöl vielseitig einsetzbar und wie gemacht für die würzig-scharfe Asiaküche. Mit einem Rauchpunkt von ca. 220 °C eignet es sich zum unter anderem zum Braten, Frittieren und Backen. Auch Ernährungswissenschaftlerin Margit Fensl ist davon begeistert, warum erklärt sie hier.

Über Bio-BloggerIn Sarah55 Artikel

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