INTERVIEW mit Fam. Reif: Bio-Zwetschken aus der Ost-Steiermark

Weiterlesen

Bio-Obstbauer Dieter Reif aus Wolfsgruben in der Ost-Steiermark ist überzeugter Bio-Bauer und liefert die Zwetschken für Ja! Natürlich. Der Einsatz von chemisch-synthetischen Spritzmitteln und künstlichem Dünger kam für ihn nicht in Frage. Er entschied sich für ein Leben im Einklang mit der Natur. Diese Philosophie gilt nicht nur für seine Zwetschkenbäume, sondern spielt auch im täglichen Leben eine Rolle: Die Energie für das Wohnhaus erzeugt Dieter Reif zu 100% selbst und das Regenwasser, das in einer Zisterne aufgefangen wird, nutzt er für den internen Wasserkreislauf. Im Interview erzählt uns der Steirer mehr über seinen Zugang zu biologischer Landwirtschaft.

bio-Zwetschken-bio-bauern_7 bio-Zwetschken-bio-bauern_7

Ja! Natürlich:

Wie groß ist Ihr Betrieb?

Dieter Reif: Ein Familienbetrieb mit 3 Hektar Fläche. Gewerblich angebaut werden Zwetschken – andere Obstbäume stehen nur für den Eigenbedarf zur Verfügung.

Ja! Natürlich:

Welche Geschichte hat Ihr Hof?

Dieter Reif: Eigentlich bin ich Quereinsteiger. Ich hatte einen gut bezahlten Beruf als Elektroingenieur, habe dann mit 28 Jahren gekündigt und die Landwirtschaftsschule gemacht. Eine Reihe hinter mir saß meine damals zukünftige Frau, die in der Landwirtschaft ihrer Eltern arbeitete. Gemeinsam haben wir den Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut und vor 5 Jahren auf Bio umgestellt.

Ja! Natürlich:

Was ist das besondere an Ihren Zwetschken-Sorten?

Dieter Reif:  Wir haben ca. 40 verschiedene Zwetschken-Sorten. Ich teste ständig unterschiedliche Sorten, ob sie sich bewähren und erst dann baue ich die Sorte in größeren Mengen an. Für den Verkauf sind 3 Hauptsorten vorgesehen: Top Taste, Haganta und Valijevka. Besonders wichtig ist mir die Qualität der Früchte – sie müssen süß und wohlschmeckend sein. Hoher Ertrag alleine ist für mich kein Auswahlkriterium!

Ja! Natürlich:

Welche Mengen ernten Sie?

Dieter Reif: Ein Baum hat eine Lebensdauer von ca. 10 – 15 Jahren. Ich ernte ca. 10 – 15 Tonnen pro Jahr.

Ja! Natürlich:

Wie gehen Sie in der biologischen Landwirtschaft gegen Schädlinge vor? – Chemisch-synthetische Spritzmittel sind ja streng verboten.

Dieter Reif: So ist es. In der biologischen Landwirtschaft dürfen keine chemisch-synthetischen Spritzmittel eingesetzt werden. Einer der Hauptschädlinge ist der Pflaumenwickler, der typische „Wurm in der Zwetschke“. Gegen ihn wird mit der Verwirrungstaktik vorgegangen. D.h. auf den Bäumen befinden sich Drähte mit Duftstoffen, die den Duft der weiblichen Pflaumenwickler ausströmen. Kommt nun ein Männchen, findet es kein Weibchen, weil es überall gleich riecht. So wird die Vermehrung auf natürliche Weise dezimiert. Ein weiterer Schädling ist die Sägewespe, die die Blüten der Bäume absägt, wodurch sich keine Früchte bilden können. Aber auch Wühlmäuse und Hasen setzen den Bäumen zu. Hier wird darauf geachtet, die natürlichen Feinde der Wühlmäuse und Hasen anzulocken. Es gibt Steinhaufen als Verstecke für Iltisse bzw. wird auch versucht, Raubvögel und Schlangen anzulocken. – Ich beobachte kontinuierlich, dass die Artenvielfalt  in unserem Obstgarten stetig wächst – das ist nur möglich ohne konventionelle Spritzmittel, die ja auch viele Nützlinge vernichten.

bio-Zwetschken-bio-bauern_9659 bio-Zwetschken-bio-bauern_9659

Ja! Natürlich:

Was muss bei der Ernte berücksichtigt werden?

Dieter Reif: Die Zwetschken sollen mit Stiel geerntet werden, damit keine Wunde entsteht. Auch die natürliche Wachsschicht darf nicht zerstört werden. Wir stellen keine Erntehelfer an – meine Familie und ich, wir ernten alles alleine!

Ja! Natürlich:

Gab es heuer Ernteeinbußen durch Hagel?

Dieter Reif: Dieses Jahr haben wir leider ca. 80 bis 85% Ausfall!

Ja! Natürlich:

Wie ist der Jahreskreislauf in der Pflege der Bäume?

Dieter Reif: Die händische Pflege der Bäume ist sehr arbeitsintensiv. Nach dem letzten Frost erfolgt der Winterschnitt, danach wird Pflanzenschutz betrieben, bevor die ersten Blätter kommen. Im Mai erfolgt das Triebreißen, damit der Baum weniger Blätter macht und um die Bäume niedrig zu halten – so können wir leichter ernten. Christbaumförmiges Wachstum wird gefördert, damit mehr Licht in die unteren Reihen vordringen kann. Das ist wichtig, denn die Früchte sollen sich am gesamten Baum bilden und nicht nur oben. Vor der Ernte und nach der Ernte erfolgt ebenfalls noch einmal ein Schnitt. Die Gräser im Obstgarnten müssen immer nieder gehalten werden, damit die Wühlmäuse nicht begünstigt werden. Rankenpflanzen werden händisch entfernt. Und Tätigkeiten wie Mähen, Mulchen und Boden Auflockern werden erledigt, bevor der Winter kommt.

Ja! Natürlich:

Herr Reif, wir danken für das Gespräch.

bio-Zwetschken-bio-bauern_96569 bio-Zwetschken-bio-bauern_96569
Bio-Info

Wer mehr über den Bio-Obstgarten von Dieter Reif wissen möchte, der findet ihn HIER!

Über Bio-BloggerIn Ulli76 Artikel

Bio-Bloggerin mit Herzblut. Die schönen Dinge des Lebens (Natur, Garten, Essen, Texten, Fotografieren) standen schon seit jeher auf meiner Lebensagenda. Wie schön, bei Ja! Natürlich gelandet zu sein, wo ich all die Bereiche, denen meine Leidenschaft gehört, umsetzen kann. Eine vielseitig spannende und interessante Herausforderung, die mir tagtäglich Einblicke in die anspruchsvolle [...]

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar verfassen

Absenden

* erforderlich (E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht)